Trend-Umfrage Heiter bis wolkig

Shop-Betreiber zweifeln nicht an einer positiven Entwicklung ihres C-Stores. Trotzdem sind sie skeptisch. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen könnten ihnen das Geschäftsleben schwer machen. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Trend-Umfrage von Convenience Shop.

Ein spannendes und zugleich arbeitsreiches Jahr liegt hinter der Convenience-Branche. Einmal mehr hat sich gezeigt, dass der klassische Lebensmittel-Einzelhandel in die Domäne der C-Stores vordringt. Lange Öffnungszeiten und Gastro-Konzepte halten Einzug in Supermärkte, und dem C-Channel gehen dadurch Wettbewerbsvorteile verloren. Erschwerend kommt hinzu, dass strategisch wichtige und umsatzstarke Shop-Sortimente wie Süßwaren, Tabakprodukte und Alkoholisches von Kritikern immer mehr ins Rampenlicht gerückt werden. Die EU-Kommission hat mittlerweile die neue Tabakproduktrichtlinie verabschiedet, und sie ist bald reif, in den Ländern umgesetzt zu werden. Außerdem griff Anfang des Jahres die vierte von fünf Tabaksteuererhöhungen. Zudem sind Beschränkungen wie das nächtliche Alkoholverkaufsverbot in Baden-Württemberg in anderen Ländern, etwa Bayern, noch nicht vom Tisch. Die Rahmenbe-dingungen waren bzw. sind also nicht die besten.

Bei diesen Vorzeichen ist die Branche nicht gerade in Jubellaune, doch trotz der ihr in den Weg gelegten Steine relativ optimistisch. Für das laufende Jahr rechnen die meisten der Shop-Betreiber, immerhin 71,7 Prozent, mit einer Stagnation der Geschäftsentwicklung, knapp ein Zehntel erwartet eine Verbesserung, aber fast 19 Prozent auch eine Verschlechterung (siehe Grafik: Verhaltener Ausblick), so die Trendumfrage 2014 von Convenience Shop.

Bei der Preisverleihung zum Shop des Jahres ’13 im vergangenen November untermauerte Rainer Kraus, Leiter Tankstellen und Shopgeschäft bei Aral, noch einmal die Bedeutung der C-Stores: „Viele Tankstellen mussten zwar in der jüngster Vergangenheit schließen, aber die mit Shops haben überlebt.“ Tankstellenbetreiber hätten sich damit ein zweites Standbein geschaffen, um die rückläufige Kraftstoffversorgung wirtschaftlich aufzufangen.

Zurückblickend auf das abgelaufene Jahr halten sich Verbesserung, Stagnation und Verschlechterung der Shop-Umsätze in etwa die Waage. Die Zahlen bewegten sich zwischen 30 und 38 Prozent (siehe Grafik: Stabiler Umsatz). Dennoch erteilt immerhin ein knappes Drittel der Befragten der gesamten Geschäftsentwicklung 2013 die Note Gut. Das hatten viele gar nicht erwartet, wie die Vorjahres-Erhebung gezeigt hatte. Die Hälfte vergab ein Befriedigend für 2013 und knapp 19 Prozent zogen ein eher schlechteres Fazit.

Doch zurück zu den Rahmenbedingungen. Sie dürften Einfluss auf den Umsatz haben. Mit nur 5,7 Prozent glauben wenige, dass sie besser werden (siehe Grafik: Lähmend). Die Mehrheit vertraut nicht darauf: 38 Prozent stellen sich auf weitere gesetzliche Restriktionen für relevante Produktbereiche ein. Dabei prophezeit Nielsen den Tankstellen-Shops, von denen die Convenience-Branche in starkem Maße getragen wird, steigende Kundenfrequenzen, eben weil die Verbraucher mobiler sind bzw. werden und entsprechend den Außer-Haus-Verzehr ankurbeln. In diesem Falle spielt es nur eine untergeordnete Rolle, wie gut die Geschäfte zu erreichen sind, während bei den Kiosken die Nähe zum Kunden deren Kapital ist.

Fragt man die Convenience Shop-Leser, wo ihnen der Schuh drückt, dann kristallisiert sich vor allem heraus, dass ihnen der Wettbewerb durch den Lebensmittel-Einzelhandel zu schaffen macht. Sie sind dem Preisdruck durch die Supermärkte ausgesetzt. Das sagen jedenfalls knapp drei Viertel der Befragten. Und nicht wesentlich weniger beklagen den Kostendruck (siehe Grafik: Problemzonen). Die dritte Herausforderung liegt für C--Store-Betreiber in den langen Öffnungszeiten. Kaufzurückhaltung beim Kunden sind in diesem Zusammenhang auch genannt worden. Und bei der gesunden Ernährung hält sich die Zahl derer, die darin ein Problem sehen, in Grenzen. Die richtige Sortiments- und Angebotswahl beschäftigt nur zehn Prozent der Befragten.

Dabei ermahnen Branchenkenner immer wieder, dass die Sortimente auf den Prüfstand gehören. Zielgruppen- und bedarfsgerechte Produkte seien das A&O der Shops, die naturgegeben ein schmales Sortiment haben. Doch gerade die „geächteten“ Warengruppen haben im vergangenen Jahr bei den Befragten eine positive Entwicklung durchlaufen: Allen voran stehen nämlich die Tabakwaren, gefolgt von den Getränken, dem Bistro, Süßwaren und Frische-Convenience (siehe Grafik: Spitzenreiter Tabak). Von diesen Segmenten erwarten die Betreiber in 2014 ebenfalls wieder Umsatzwachstum (siehe Grafik: Rauchzeichen für 2014).

Nahezu alle Befragten machen das aber auch von Innovationen abhängig (siehe Grafik: Innovations-Wünsche). Handlungsbedarf durch die Industrie sieht jeder Zweite bei den Süßwaren, und fast jeder Dritte bei den Getränken. Ein Fünftel meint, dass sowohl die Bereiche Bistro wie Frische-Convenience von Neuheiten noch mehr profitieren könnten. Erstaunlich ist, dass immerhin noch 13 Prozent sich für Innovationen bei den Tabakwaren stark machen, wo doch gerade in diesem Fall die Flut an Neuheiten oft beklagt wird. Vielleicht denken viele eher an eine Bereinigung des Sortiments. Das allerdings wird bei der markentreuen, rauchenden Klientel nicht so einfach sein. Denn wie in kaum einer anderen Warengruppe locken nicht nur Neuheiten, wie die Zusatzstofffreien, die Kunden in den Shop, sondern auch tradierte, alt bekannte Marken haben ihre Anhänger. Vielleicht wäre es im Sinne der begrenzten Regalkapazitäten ratsam, statt auf Marken bzw. Sorten auf Line Extention oder der breiten Zahl an Packungsgrößen zu verzichten.

Weniger Aufmerksamkeit wird den Bereichen Food, Autozubehör und Nonfood gewidmet. Diese Warengruppen gehörten 2013 nicht zu den Shootingstars unter den Wachstumskategorien und auch für 2014 erwartet man keine nennenswerten Steigerungsraten. Düster sieht es bei den Presseerzeugnissen aus. Ihre Talfahrt scheint nicht mehr aufzuhalten zu sein. In der Liste der sich 2013 positiv entwickelten Sortimente bilden sie das Schlusslicht, und nur ganz wenige der befragten Shop-Betreiber, keine 6 Prozent, erwarten in diesem Jahr eine Umsatzsteigerung. Zeitungen und Zeitschriften sind eben keine Frequenzbringer mehr. Das ist nicht nur auf das Internet und die schnelle Informationsbeschaffung über elektronische Medien zurückzuführen, sondern auch auf die Erweiterung der Distributionskanäle, wie etwa auf die Discounter, die damit den Kunden weitere Anlässe geben, bei ihnen zu kaufen und nicht den Shop aufzusuchen.

Dafür füllen heute andere Warenbereiche die Kassen: Erlöswachstum wird zum Beispiel bei den starken Tabakwaren erwartet, die zum Teil aber aus der Preisanpassung durch die Steuererhöhung resultieren. Der Absatz selbst wird vermutlich – wenn überhaupt – nur marginal steigen.

Ein Trend ist und bleibt der Foodservice-Bereich, den es auszubauen gilt. Das haben sich auch ein Teil der Convenience Shop-Leser für 2014 vorgenommen. Sie wollen in Bistros, Kaffee-Bars, Backwaren- und Snacktheke investieren (siehe Grafik: Pläne 2014). Der Gastrobereich hat eine hohe Innovationskraft. Chancen liegt vor allem im Coffee to go sowie im Back- und Snack-Shop, aber auch bei den Impulswaren in der Kassenzone. Eine bedarfsgerechte Kombination von Konzepten ist also ratsam. Die Basis ist vorhanden, denn die gesamte Food-Serviceentwicklung ist ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Trends: Single-Haushalte, Mobilität und flexiblere Arbeitszeit fördern den Außer-Haus-Konsum.

Des Weiteren stehen Kassensysteme auf der Agenda. Die Entwicklung geht zum Beispiel zum kontaktlosen Bezahlen. Neue Sortimentsbereiche sind ein weiterer Investitionsschwerpunkt. Hier bleibt es spannend, wie Shop-Betreiber Umsätze generieren werden. Denkbar wäre zum Beispiel das gesamte Thema rund um Prepaid-Karten und Geschenkgutscheine. Dass nur jeder Fünfte die Tabakwarenpräsentation erneuen will, obwohl die Betreiber in der Warengruppe großes Potenzial sehen, ist vermutlich auf die Kooperation mit der Tabak-Industrie zurückzuführen. Die Hersteller stellen nämlich teilweise ihre eigenen Systeme und PoS-Mittel zur Verfügung.