Interview mit Jonny Natelberg Eine politische Stimme

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Das Wohl und Wehe der Convenience-Branche hängt in starkem Maße von den politschen Rahmenbedingungen ab. Um die Brancheninteressen in Berlin und Brüssel zur Geltung zu bringen, hat Lekkerland Jonny Natelberg als Lobbyist und Branchenexperten ins politische „Rennen“ geschickt.

Herr Natelberg, Sie sind schon viele Jahre in der Convenience-Branche und bei Lekkerland tätig. Was ist Ihre neue Aufgabe im Unternehmen als Executive Vice President Corporate Affairs?

Jonny Natelberg: Wir wollen der Convenience-Branche eine politische Stimme geben und sie im politischen Umfeld bekannt machen. Dabei geht es nicht nur darum, dass Lekkerland dort vertreten ist, sondern dass die Interessen und Bedürfnis der gesamten Convenience-Branche zur Geltung kommen. Es gilt, ihre Meinungen aufzuzeigen und auch die Frage zu stellen, wie uns die Politik eigentlich unterstützen kann.

Natürlich vertreten Sie zunächst Lekkerland. Was steht da vor allem im Fokus?

Natelberg: Es geht einmal darum zu erläutern, dass Lekkerland ein großes Unternehmen in der Convenience-Branche ist, das sich mit ganz bestimmten Sortimenten beschäftigt und diese liefert. Dabei sind zu nennen Tabakwaren aber auch Süßwaren und Getränke. Auf der anderen Seite liefern wir auch Produkte zum Telefonieren. Damit decken wir die Bedürfnisse ab, die jemand hat, wenn er unterwegs ist und sich selbst versorgen möchte. Das ist eine andere Situation als in ein Lebensmittelgeschäft zu gehen und dort beispielsweise fürs Wochenende oder für die Familie einzukaufen. Das muss klar werden, um zu verdeutlichen, was unsere Anliegen sind.

Wie ist Ihnen diese Aufgabe im politischen Raum zugewachsen?

Natelberg: Da die Politik uns in vielen Bereichen immer mehr einschränkt oder zumindest Vorgaben macht, wie wir unser Geschäft handhaben sollen, macht es Sinn, dass unser Unternehmen in Berlin und Brüssel, wo die Politik gemacht wird, vertreten ist. Unser CEO Michael Hoffmann, der jetzt seit gut zwei Jahren bei uns ist, hat mich gebeten, diese Aufgabe zu übernehmen. Ich bin quasi der Außenminister von Lekkerland. Mit unserem Unternehmen verbunden ist dann natürlich auch die Convenience-Branche, das heißt, ich spreche auch mit den Mineralölgesellschaften über deren Interessen und tausche mich mit anderen Verbänden aus. Es geht darum, gleiche Interessenslagen zu identifizieren und mit den politischen Entscheidern zu klären, ob sie uns dabei helfen können, diese Interessen geltend zu machen.

Sind denn die Probleme und Herausforderungen, mit denen sich C-Shops beschäftigen, Politikern überhaupt bekannt?

Natelberg: Politiker werden oft von den Medien und den Nichtregierungsorganisationen (NGOs) getrieben und dann zum Handeln verdammt. Und sie achten natürlich immer auch auf die Verbraucher. Der Handel liegt ja bekanntlich zwischen dem Hersteller eines Produktes und dem Verbraucher. Die Sichtweise des Handels ist Politikern weniger präsent. Deshalb ist es ganz wichtig, zu erörtern, was es überhaupt bedeutet, Produkte zu präsentieren und zu verkaufen und dafür zu sorgen, dass die Konsumenten sie überall vorfinden können. Diesen Bereich kennt die Politik viel zu wenig.

Liegt das auch daran, dass die Convenience-Branche bisher keine eigene Interessensvertretung hat, und ist die Branche in Berlin damit ohne Stimme?

Natelberg: Was ich in Berlin und Brüssel vorgefunden habe, sind in erster Linie Industrievertreter. Natürlich vertreten beispielsweise Mineralölgesellschaften ihre Interessen oder verschaffen sich durch die Verbände wie Mineralölwirtschaftsverband, BFT oder Uniti Gehör. Die sind aber sehr stark auf das Thema Energie konzentriert. Auch der HDE steht uns zur Seite, aber der konzentriert sich sehr auf Supermärkte etc. Speziell für den Convenience-Bereich gab es in der Vergangenheit überhaupt keine Interessenvertretung.

Fotos: Stefan Mugrauer