Mundorf „Hier wird investiert“

Günter Dederichs, seit 22 Jahren Betreiber einer Tankstelle des Mittelständlers Mundorf in Spich war immer ein wichtiger Gesprächspartner für Convenience Shop. Jetzt haben wir ihn mit seinem Sohn und Nachfolger Timo Dederichs noch einmal interviewt.

Donnerstag, 11. März 2021 in Tankstelle
Hans Jürgen Krone

Günter Dederichs, seit 22 Jahren Betreiber einer Tankstelle des Mittelständlers Mundorf in Spich war immer ein wichtiger Gesprächspartner für Convenience Shop. Jetzt haben wir ihn mit seinem Sohn und Nachfolger Timo Dederichs noch einmal interviewt.

Herr Dederichs, nach Gründung von CS sind wir schnell mit Ihnen in Kontakt gekommen. Auf unserem ersten Anuga-Kongress 1995 traten sie dann als Sprachrohr der Praktiker auf. Wie haben Sie das erlebt?
Günter Dederichs: Das war eine ganz neue Welt und jedenfalls nicht einfach. Im Vorfeld habe ich eine ganze Reihe von Leuten gefragt, wie man Convenience definiert. Jeder hatte eine andere Meinung. Ich konnte natürlich aus meinen Erlebnissen berichten, weil ich bereits 1992 von einer kleinen Esso-Station in eine Tankstelle mit großem Esso-Shop in Bonn gewechselt war und entsprechende Erfahrung hatte.

Die Industrie hat Sie als Partner früh entdeckt. Wie kam das?
Günter Dederichs: Es war ein ganz schöner Branchentourismus an meiner Station. Bei mir wurden auch viele Produkt-Tests gemacht. So von Unternehmen wie Coca-Coca, aber auch für exotische Produkte wie finnisches Wasser. Ich vergesse nie, dass der Rennfahrer Keke Rossberg für dieses Produkt mal an meiner Tankstelle war. Organisiert hat solche Warentests häufig Gerald Wiegner von Wiegner & Weber.

Sie haben damals auch mit Ihrem großen Backshop für Gesprächsstoff gesorgt?
Günter Dederichs: Ja, das waren noch Zeiten, in denen die Bäcker sonntags nicht geöffnet hatten. Damals haben wir dann tausende von Brötchen verkauft und die Kunden standen Schlange. Zu dem Thema sind wir oft von den Medien befragt worden, das war ein ziemlicher Rummel.

Später allerdings haben Sie den Backshop dann weitgehend abgeschafft. Wie kam das?
Günter Dederichs: Ursprünglich hat sich meine Frau mit dem Backshop beschäftigt. Als sie das nicht mehr machen konnte, haben wir zunächst überlegt, dies anders zu organisieren. Dann kam Subway zu uns und wollte die Fläche, immerhin 40 Quadratmeter, pachten. Das haben wir dann als erstes Shop-in Shop-System für Subway in Deutschland gemacht und nie bereut. Auch mein Steuerberater sagt immer: ‚Das war eine Jahrhundertentscheidung‘!
Timo Dederichs: Natürlich haben wir auch bei den Mundorf-Stationen noch einige Backshops, die beispielsweise unser Kollege Kinan Moukhmalji, Pächter von drei Stationen, betreibt. Er sagt, dass dieses Angebot standortbezogen als Dienstleistung schon wichtig sein kann. Bei uns war und ist das aber nicht der Fall.

Dennoch musste Subway hier ungewöhnlicherweise auch ein Frühstücksgeschäft anbieten?
Timo Dederichs: Wir haben das ursprünglich in die Verträge aufnehmen lassen. Das war natürlich immer ein CI-Problem für Subway. Das ist gelöst. Brötchen wird man bei uns nicht mehr bekommen, weil es für uns wirtschaftlich nicht mehr funktioniert.

Haben Sie nie daran gedacht, auch den Shop im System eines Partners zu betreiben?
Günter Dederichs: Das haben wir sehr oft diskutiert, aber die Frage ist ja, wo wir dann Umsatz und Ertrag generieren sollen.
Timo Dederichs: Das System, alles outzusourcen, wäre am Ende zu einfach. Ich bin auch nicht unbedingt ein Freund des Rewe To Go-Systems. Das funktioniert sicherlich in einigen Shops. Das Problem dort ist die Preiskalkulation. Die Gesellschaften versuchen, immer alles über einen Kamm zu scheren, wie eben auch imGeschäft mit den Backshops. Das aber klappt nicht und schon gar nicht vom Schreibtisch aus.

Mundorf hat in dieser Region 17 Stationen und Sie haben immer betont, dass man bei einem solchen Partner unternehmerisch sehr gut aufgehoben ist. Wo liegt denn der Unterschied?
Timo Dederichs: Im Gegensatz zu aktuellen Verträgen bei großen Mineralöl-Konzernen sind wir unternehmerisch weitestgehend selbstverantwortlich. Klar arbeiten wir auch bei Mundorf zusammen, beispielsweise beim Einkauf. Manchmal ist man als Einzelkämpfer besser dran und manchmal auch nicht. Bei Mundorf haben wir gute Standorte, eine kleine aber feine Kette. Und hier wird eben auch 2020 investiert. Im Dezember wird unsere Shop umgebaut. Die Pläne habe ich gerade vorliegen. Das ist eine ordentliche Aufgabe, denn der Shop hat, ohne den Subway, immerhin etwa 200 Quadratmeter.

Wie sind die Verantwortlichkeiten bei dem bevorstehenden Umbau im Unternehmen verteilt?
Timo Dederichs: Das ist im Prinzip Sache von Mundorf. Aber wir sitzen natürlich zusammen und besprechen alles sehr ausführlich und direkt.

Was sind denn die größten Herausforderungen beim Umbau?
Timo Dederichs: Wir wollen, dass der Shop wieder cool aussieht, aber auch effektiv läuft und wirtschaftlich Sinn ergibt. Wirtschaftlich gesehen, investieren wir mit voller Kraft in das Thema Getränke. Wir bekommen noch einmal acht Meter zusätzliche Kühlung. Die beiden vergangenen Jahre haben uns noch einmal eindrucksvoll gezeigt, dass man, besonders im Sommer, die Kühlung gar nicht so schnell nachfüllen kann, wie die Kunden die Getränke herausnehmen. Dann verbreitern wir unser Tabak-Regal um mehr als einen Meter. Das ist nach wie vor ein eminent wichtiges Geschäft für die Tankstellen.

Was wird künftig in den neuen Tabakregalen stärker platziert und forciert?
Timo Dederichs: Beispielsweise das Geschäft mit den Volumentabaken. Da gibt es jede Menge großer Gebinde, die nachgefragt werden und gezeigt werden müssen. Natürlich erwarten wir, da wir bei Tabak schon sehr stark sind, keine riesigen Wachstumsraten, aber es wird sich lohnen.

Bei der Größe Ihres Shops haben Sie natürlich auch viel Raum, mal Dinge anzupacken, für die andere gar keinen Platz haben. Tut sich da auch etwas beim Nahversorger-Sortiment?
Timo Dederichs: Das hatten wir ja eigentlich immer schon platziert. Aber man muss auch mal ehrlich sagen, dass unser Lieferant Lekkerland dieses Feld längere Zeit gar nicht richtig bearbeitet hat. Viele Produkte gab es einfach nicht mehr. Deshalb haben wir nach dem Zusammenschluss von Lekkerland und Rewe auch gesagt: ‚Hoffentlich stellt Ihr Euch breiter auf, was die Sortimentsvielfalt angeht.‘ Das hat Lekkerland gemacht und die Line ‚Jeden Tag‘ lanciert. Da gibt es eben Konserven, Zucker, Süßstoff und all diese Dinge auch für uns zu einem vernünftigen Einkaufspreis, sodass wir die Produkte immer noch einigermaßen günstig verkaufen können. Ich habe direkt alles eingelistet, was sinnvoll war und das Programm hergibt.

Worauf kommt es Ihnen in diesem Zusammenhang als Nahversorger besonders an?
Timo Dederichs: Es gibt bei Lekkerland wieder sehr viel Frische, vor allem auch für das Snack-To-Go-Geschäft. Das werden wir testen. Dafür haben wir in normalen Zeiten ein passendes Umfeld, mit Büros und anderen Unternehmen. Alles in allem muss man aber sagen, dass der Lebensmittelverkauf bei uns immer noch so etwas wie ein Notverkauf geblieben ist. Das hat sich auch unter Corona-Bedingungen nicht besonders verändert.

Günter Dederichs, Sie haben schon vor 25 Jahren gesagt, dass das Angebot an Tankstellen, ‚ganzheitlich‘ aufgestellt sein muss. Wie bewerten Sie heute das Thema ‚Mobility Hub‘?
Günter Dederichs: Als ich 1969 angefangen habe, gab es nur die Kraftstoffe Super und Normal. Dann kamen die anderen Dinge nach und nach hinzu und haben das Angebot ergänzt. Ich finde diese Entweder-Oder-Diskussion falsch. E-Loading und anderes wird einfach ein weiteres Angebot an der Tankstelle werden.
Timo Dederichs: Die Entwicklung bei der Elektromobilität wird sicher auf uns zukommen. Wir haben schon vor zehn Jahren in Kooperation mit den Stadtwerken Troisdorf hier Ladesäulen aufgestellt. Aber ich bezweifele, dass es im Volumen schnell so kommt, wie uns bestimmte Industrien glauben machen wollen. Aber ich will das an dieser Stelle gar nicht abschließend bewerten. Natürlich sind die Tankstellen in Sachen Infrastruktur für dieses Geschäft von vorne herein gut aufgestellt und da passiert ja auch viel. Allerdings müssen die Stromversorger auch drumherum die entsprechende Leistung zu Spitzenzeiten zur Verfügung stellen.

Wird es aus Ihrer Sicht in absehbarer Zeit dazu kommen, dass traditionelle Kraftstoffarten verdrängen werden?
Timo Dederichs: Jenseits des derzeitigen Hypes, glaube ich nicht, dass die klassischen Kraftstoffe so schnell ersetzt werden. Ich bin sicher, dass es dieses Geschäft mit den Säulen auch noch in 20 Jahren geben wird. Vielleicht verändert sich das, was aus den Zapfpistolen herauskommt. Wer ein Elektroauto hat und in der Stadt in einer Mietwohnung wohnt, der kann den Wagen nicht auf seinem Hof aufladen und ist auf die Tankstellen-Infrastruktur angewiesen.

In aller Munde ist auch das Thema Digitalisierung und soziale Netzwerke. Warum sind Sie da eher zurückhaltend?
Timo Dederichs: Wir machen in dieser Hinsicht noch relativ wenig, aber natürlich gibt es Kollegen, die das sehr aktiv betreiben. Das ist viel Arbeit. Wir konzentrieren uns bisher auf die 2.500 bis 3.000 Kunden, die täglich ohnehin an unsere Station komme. Man muss bei Online-Marketing am Ball bleiben und das Thema das ganze Jahr über täglich spielen. Aber wir sind ja eigentlich kein Händler, der jeden Tag neue tolle Angebote machen kann. Die Kraftstoffpreise kennt ja heute jeder durch das Internet. Die Masse der Kunden kommt immer noch vor allem deshalb an unsere Tankstelle, weil der Spritpreis, der bei uns draußen dran steht, ein Vernünftiger ist.