Bildquelle: Aichinger

Aichinger „Die Sortimente werden hybrider“

Die Corona-Pandemie hat die Gastronomie hart getroffen. Dennoch stärkt der Dienstleister und Shopeinrichter Aichinger gerade jetzt seine Food-Service-Kompetenz und setzt auf die Handelsgastronomie als Zukunftsthema in Tankstellen, bei Nahversorgern und im Lebensmittel-Einzelhandel. Wir stellten dem Leiter der neuen Gastro-Einheit, Urs Bischof, dazu einige Fragen.

Der Shopeinrichter und Ladenbauer Aichinger will sich trotz und vor allem auch nach der Corona-Krise verstärkt im Gastronomie-Geschäft engagieren. Dazu hat das Unternehmen seine Kompetenzen im neuen Geschäftsbereich Food Service konzentriert. Aichinger, so teilt der Ladenbauer mit, biete damit als einziger Shopeinrichter die kompletten Leistungen aus einer Hand. Die Leitung des neuen Geschäftsbereichs hat Urs Bischof übernommen, der zuvor auch für Le Buffet und Dinea tätig war.

Wie sehen Sie die Chancen für die Gastronomie, sich auch schon im weiteren Verlauf der Corona-Krise und vor allem danach wieder aus dem Tief herausarbeiten zu können?
Urs Bischof: Gegenwärtig erleben wir eine unheimliche Dynamik. Ich hoffe, dass wir die Infektionsentwicklung einigermaßen gut im Griff behalten. Ich sehe Chancen, allerdings zumeist nicht mit den bestehenden Konzepten und Sortimenten.

Werden es die Handelsgastronomien, auch die Bistro-Angebote in Tankstellen- und Convenience-Stores, durch ihre Verbindung mit dem Retail-Bereich dabei leichter haben?
Dies möchte ich eindeutig mit ja beantworten und ein Ausrufezeichen dahinter setzen! Die Grenzen zwischen Food-Retail mit hochwertigen Convenience-Gerichten sowie klassischen Gastronomie- und Snacksortimenten lösen sich weiter auf, die Sortimente werden hybrider.

Welche grundsätzlichen Folgerungen sollten die Foodservice-Betreiber dabei aus Ihrer Sicht aus der Krisensituation ziehen?
Die Sortimente und Angebotsformen müssen meines Erachtens noch flexibler und spezifischer werden: nach Tageszeit, Wochentag und Saison, oder auch für den Verzehr vor Ort oder To go.

Wie wird sich das Nachfrageverhalten der Konsumenten in den kommenden Wochen und Monaten verändern?
Wir beobachten eine hohe Sensibilität und großes Sicherheitsverlangen bei den Verbrauchern. Industriell und hochwertig verpackte Lebensmittel vermitteln Sicherheit. Deshalb müssen wir in die Verpackung investieren, Take-away muss idealerweise in Mehrwegverpackung angeboten werden. Verpackungen wie Weckgläser oder Edelstahl-Gastronorm sind perfekt geeignet und sind bereits erfolgreich im Einsatz.

Welche Produkte werden Ihrer Einschätzung nach mehr gefragt sein, welche weniger?
Die Nachfrage nach vegetarischen Produkten, nach Bio-Sortimenten und nach regionalen Produkten wird ganz klar weiter steigen. Produkte mit Herkunftsgarantie und Nachverfolgbarkeit werden von Seiten der Kunden stärker nachgefragt sein. Die Nachfrage nach No-Name-Industrieprodukten wird im Gegensatz dazu aus meiner Sicht weiter nachlassen.

Werden die Verbraucher mehr sparen und die Gastronomie weniger nutzen?
Die wirtschaftlichen Auswirkungen, ein geringeres Einkommen, auch durch Kurzarbeit oder gar durch den Verlust des Arbeitsplatzes, werden es einigen Verbrauchern erschweren, wie zuvor einzukaufen und außer Haus essen zu gehen.

Welche Rolle spielt dabei wegen der zurzeit zurückgegangenen Mobilität der Standort der Bistros und Foodservice-Angebote? Werden die Verbraucher vor allem solche in ihrer Nähe aufsuchen?
Wenn die Menschen zukünftig weniger auf Geschäftsreisen sind und mehr im Homeoffice arbeiten, wird sich der Absatz mehr in die direkte Umgebung verschieben. Der Kaffee und der Snack auf dem Weg zur Arbeit werden sicherlich weniger gefragt sein.

Wie kann Aichinger bestehende Bistros unterstützen, beispielsweise durch eine Optimierung der Prozesse und eine Entwicklung der Digitalisierung?
Mit unserem Partnerunternehmen Shop-IQ bieten wir verschiedene Module, um die Prozesse in den Shops und Bistros an die neuen Anforderungen anzupassen. Zusätzlich steuert Shop-IQ die Geräte und optimiert dadurch den Energieverbrauch. Digital Signage übernimmt die Steuerung der Preisauszeichnung und der Monitore. Damit wird der Absatz forciert und gleichzeitig der Food-Waste reduziert.

Wie ist der neue Geschäftsbereich Food Service im Hause Aichinger insgesamt aufgestellt? Welche Ziele verfolgen Sie mit dem neuen Geschäftsbereich?
Im Geschäftsbereich Food Service bündeln wir die Kompetenzen der Bereiche Profiküche, Consulting & Design und Aicademy. Im Team haben wir erfahrene Experten, die eine Vielzahl erfolgreicher Konzepte entwickelt und eingeführt haben. Noch stärker als in der Vergangenheit werden wir Projekte, vom ersten Ideen-Workshop über die Planung und die Ausführung bis in den Betrieb, durchgängig und verantwortungsvoll gestalten und die Kunden beraten. Bei Aichinger ist der Bereich Food Service das Schweizer Taschenmesser für gastronomische Projekte.