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Vending Einweg im Visier der Politik

Der Druck auf Einwegbecher wächst. Das weiß auch der Bundesverband der Vending Automatenwirtschaft (BDV). Er hat Operatoren zur Praxis befragt und ihre Meinung zum Thema erkundet.

„Die Deutschen nutzen für Heißgetränke insgesamt jährlich 2,8 Milliarden Einwegbecher, das entspricht 34 Bechern pro Kopf“. Das gab das Umweltbundesamt (UBA) Ende Mai 2019 im Rahmen der Veröffentlichung einer Studie zum Thema bekannt und begründete auch, warum es selber in dieser Sache aktiv wird: „Oft landen die Becher und Deckel nach kurzer Zeit in der Umwelt, weil sie achtlos weggeworfen werden oder aus überquellenden Mülleimern fallen.“ Vorschlag des UBA ist es, künftig auf Mehrwegsysteme zu setzen und einen „Litteringfond“ einzurichten, aus dessen Mitteln die Reinigung der vermüllten Umwelt finanziert werden soll.

Verschwendete Ressourcen
Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamtes: „Jeder Einwegbecher, der genutzt wird, ist einer zu viel. Einwegbecher verschwenden Ressourcen und verschmutzen unsere Umwelt. Mehrwegbecher sind hier der richtige Weg“. 60 Prozent der Einwegbecher sind kunststoffbeschichtete Papierbecher, die restlichen 40 Prozent reine Kunststoffbecher. Zusätzlich fallen etwa 1,3 Milliarden Einweg-Kunststoffdeckel an. Laut Studie sollte mit der Wirtschaft vereinbart werden, dass man im Coffee-To go-Sektor künftig Mehrwegbecher einsetzt. Dies solle die Regel sein und nicht nur auf Nachfrage geschehen. Zudem sollten Kaffee und andere Heißgetränke aus Mehrwegbechern billiger sein als aus Einwegbechern. Die Studie zeige auch, dass Deckel einen hohen Anteil an Energieverbrauch und Umweltverschmutzung hätten. Daher sei es sinnvoll, keine Einwegdeckel mit den Mehrwegbechern auszugeben.

Geld für Reinigung und Information
„Die Gelder aus dem ‚Litteringfonds` sollen sowohl für die Reinigung des öffentlichen Raums als auch für Informationskampagnen verwendet werden“, so die Idee.. Einzahlen müsse, wer Einwegbecher in Verkehr bringe. Laut Studie könnte so der Verbrauch von Einweggetränkebechern innerhalb von drei Jahren um 50 Prozent sinken. Sofern keine anspruchsvolle Vereinbarung mit der Wirtschaft zustande kommt, sollten verbindliche Maßnahmen rechtlich vorgeschrieben werden.

Das ist sicherlich auch für Operatoren und Becherlieferanten im Vending ein sehr wichtiges Thema: Der Bundesverband der Vending Automatenwirtschaft (BDV), nimmt sich des Thema deshalb verstärkt an. „Aktuell leisten wir intensive Aufklärungsarbeit! Für den BDV ist es wichtig, dass Entscheidungen zum Thema Einwegbechern von Politikern mit Verstand und Weitsicht getroffen werden“, heißt es aus Köln. Um selber eine verlässliche Informationsgrundlage über die Situation zu haben, führte der Verband eine eigene Befragung unter seinen Mitgliedern zum Thema Einsatz von Einwegbechern durch. Die Fakten daraus sollen bei den „Diskussionen mit Politikern und Ministerien“ helfen sowie „ein wesentliches Element für politische Verhandlungen und aktive Pressearbeit“, sein.

Bereits 40 Prozent Papierbecher
Von den befragten Vending-Operatoren benutzen immer noch 60 Prozent Kunststoffbecher, und 40 Prozent Papierbecher, mit steigender Tendenz. Fast die Hälfte der Befragten (47 Prozent) glauben aber, dass Kunststoffbecher bei ihnen zu 100 Prozent durch Papierbecher ersetzt werden könnte. 11 Prozent sind der Meinung, dass das überhaupt nicht geht. Bereits mehr als 70 Prozent der Befragten sammeln nach eigenen Angaben bereits einen Teil der ausgegebenen Einwegbecher. 45 Prozent der Befragten sammeln sogar mehr als 50Prozent. Wenn die Kunden einen eigenen Becher einsetzen, dann ist das Automaten- Getränk bei 70 Prozent der Befragten auch preisgünstiger.

Die meisten Befragten erheben keinen Aufschlag für den Einweg-Becher, falls aber doch liegt dieser meistens bei 5 Cent pro Becher. Die Möglichkeit, Mehrwegbecher bei Ihnen zu kaufen, geben erst 17 Prozent der befragten Operatoren ihren Kunden.Insgesamt, so der BDV, bewerten die meisten Befragten „das Thema Nachhaltigkeit und Abfallvermeidung als wichtig oder sehr wichtig“. Einige wenige erhöhen in diesem Zusammenhang auch die Preise, deutlich mehr sehen aber kaum Spielraum, solche Maßnahmen für Preisanpassungen zu nutzen. Das heißt offenbar, sie gehen davon aus, dass die Kunden nicht bereit sind, mehr für eine nachhaltigere Lösung zu bezahlen. Etwas mehr als 10 Prozent der Befragten halten die Themen Nachhaltigkeit und Abfallvermeidung insgesamt für weniger wichtig, weil einfach die Kunden die Notwendigkeit nicht sähen.

Zwangspfand oder Zwangsabgabe
Für die vom BDV befragten Operatoren wäre ein komplettes Verbot von Einwegbechern ganz offensichtlich das negativste politische Szenario, gefolgt vom Zwangspfand oder einer Zwangsabgabe. Doch sollte die Branche in dieser Sache nicht selbst aktiver werden, wird das Umweltbundesamt die Dinge wohl in diese Richtung bewegen. Vor allem das Abfallvolumen der Papierbecher im To go-Sektor sei für die Entsorger ein Problem: Es betrage bis zu 15 Prozent des Volumens der vorhandenen Abfalleimer im städtischen Bereich. Das seien 400 000 Kubikmeter im Jahr und entspreche damit ziemlich genau dem Füllvolumen von rund 8 Millionen typischer 50 Liter Mülleimer im städtischen Umfeld.
„Oft landen die Becher und Deckel nach kurzer Zeit in der Umwelt“.