Seed & Greet Nachhaltige Mobilität

Immer mehr Elektro-Fahrzeuge sind in Deutschland auch auf den Autobahnen unterwegs. Darauf hat ein Bäckerei-Unternehmer aus dem Rheinland jetzt reagiert und mit Seed & Greet eine neue Generation des Rasthofs entwickelt. Zusammen mit Tesla und Fastned hat er das Projekt umgesetzt.

Mittwoch, 17. März 2021 in Kleinfläche
Martin Heiermann

Immer mehr Elektro-Fahrzeuge sind in Deutschland auch auf den Autobahnen unterwegs. Darauf hat ein Bäckerei-Unternehmer aus dem Rheinland jetzt reagiert und mit Seed & Greet eine neue Generation des Rasthofs entwickelt. Zusammen mit Tesla und Fastned hat er das Projekt umgesetzt.

Sein Projekt hat in der Öffentlichkeit viel positives Aufsehen erregt: Angetrieben durch den Boom der Elektromobilität, hat Roland Schüren eine neue Generation der Autobahnraststätte entwickelt und auf den Weg gebracht. Viel Resonanz in den Medien hat dieses Leuchtturmprojekt bereits bekommen, weil es einerseits den Begriff Raststätte neu zu definieren sucht sowie rundum auf Nachhaltigkeit setzt. Andererseits wird es von einem Initiator und Investor angeschoben, der nicht unmittelbar aus der Branche kommt: Denn der umtriebige Roland Schüren ist eigentlich Inhaber und Geschäftsführer einer Bäckerei-Kette mit Sitz in Hilden. Sein Unternehmen betreibt im Großraum Düsseldorf heute rund zwanzig Filialen und kooperiert darüber hinaus im Vertrieb mit einigen Partnermärkten und Verkaufsstellen in der Region.

Mit dem innovativen Raststätten-Konzept sind zwei neue Ladeparks zu seinen Firmenstandorten hinzugekommen, die unter der Marke „Seed & Greet“ firmieren. Zum einen ist das die Ladestation für Elektroautos vor der Backstube des Unternehmens in Hilden. Sie gibt es schon etwas länger. Zum anderen gehört der neue Ladepark für E-Fahrzeuge am Autobahnkreuz Hilden dazu. Auf diesen Standort wurden die Branche besonders aufmerksam und auch ein großer Raststätten-Betreiber signalisierte laut Presseberichten offenbar schon sein Interesse an einer möglichen Zusammenarbeit mit Schüren.

Drei klimarelevante Sektoren
Seed & Greet ist zunächst der Name der neuen Café-Bistro-Bäckerei von Schüren im Ladepark des Gewerbegebiets am Kreuz Hilden. Dahinter steckt eine besondere Philosophie, erklärt das Unternehmen: Das Projekt soll drei klimarelevante Sektoren nachhaltig verbinden: die Lebensmittelherstellung, die Energie-Erzeugung und schließlich auch die Mobilität. „Sektorenkopplung nennt das der Fachmann“, sagt Roland Schüren und erläutert die drei Bereiche: Mit der Lebensmittelherstellung sei natürlich das Backen gemeint, bei Energieerzeugung handle es sich um erneuerbare Energien und bei der Mobilität um Elektro-Mobilität. Deshalb sei das Hildener Leuchtturmprojekt auch gar nicht so weit entfernt von den Aktivitäten des Bäckerei-Unternehmens, meinen die Hildener. Und so hat sich Roland Schüren Investoren gesucht und baut beziehungsweise baute zusammen mit ihnen ein fünfstöckiges Gebäude auf dem gut 12.000 Quadratmeter großen Gewerbegrundstück an der Hildener Autobahn.

Inklusive Vertical Farm
Unter den großflächigen Fotovolta- ikanlagen und zwei Klein-Windkraftanlagen gibt es nicht nur eine große Café-Bistro-Bäckerei, sondern es entstehen ebenso eine Spezialbackstube, Büros und – als Besonderheit – eine Vertical Farm über vier Stockwerke. In dieser können beispielsweise Salate und Beeren wachsen, die vor Ort zu kleinen Gerichten und frischem Kuchen weiterverarbeitet werden sollen.

Schüren weist darauf hin, dass es bei diesem Seed & Greet-Standort also nicht nur um Lebensmittel-Herstellung durch Backen geht, sondern auch um die Erzeugung von Nahrungsmitteln durch Säen, Wachsen und Ernten. Das solle durch den Begriff „Seed“ zum Ausdruck kommen. Mit dem zweiten Teil der neuen Marke, mit dem Begriff „Greet“, solle deutlich werden, dass alle Gäste, egal wie sie anreisen, willkommen sind, eine Pause einzulegen. In Hilden können sie einen Snack direkt im Bistro-Bereich verspeisen oder mitnehmen.

Angeboten werden, neben einem umfangreichen Backwaren-Sortiment, auch warme und kalte Getränken sowie diverse Salate und Pizzen. Elektroautofahrer haben bei Seed & Greet dann die Möglichkeit, das E-Fahrzeug aufzuladen. Zur Verfügung stehen die eigenen Normal-Ladesäulen, der Unternehmer selbst stellt 16 Ladestationen auf. Perspektivisch will er später 52 Ladestationen betreiben.

Tesla und Fastned sind dabei
Dazu kommen die Stationen von zwei leistungsfähigen Schnelllade-Netzwerken. Beide Hersteller, Tesla und Fastned, bieten europaweit ihre Dienste an. Zunächst ist der Rastplatz der neuen Generation mit zwanzig von vierzig geplanten Tesla-Ladestationen und acht von 22 geplanten Fastned-Stationen ausgestattet. Beide Unternehmen bieten unter den Fotovoltaikdächern von Seed & Greet jeweils ihre größten und zurzeit schnellsten Ladestationen an, die in der Europäischen Union verfügbar sind. Zusammen mit den anderen Nutzern im Gebäude nutzen Tesla und Fastned so intensiv wie möglich den vor Ort selbst erzeugten Strom. Ergänzt wird das Angebot mit gespeichertem Strom und mit Ökostrom aus dem Netz.

Vervielfältigung ist möglich
Die Initialzündung für sein Leuchtturmprojekt hatte Schüren schon vor Jahren. Damals fuhr er mit seinem neuen Opel Ampera – einem E-Fahrzeug – jeden Tag an einem Gewerbe-Grundstück am Kreuz Hilden vorbei, das lange zum Verkauf stand. Die Fläche liegt zwischen Düsseldorf und Köln, wo sich die Autobahnen A3 und A46 kreuzen. Langsam entwickelte sich dann das Projekt Seed & Greet, eine Idee auf die der Bäckerei-Unternehmer auch kam, weil er schon zu diesem Zeitpunkt gute Verbindungen zur Convenience-Branche pflegte. Nun ist das Projekt nahezu umgesetzt. Eine Vervielfältigung ist möglich. Möglich ist aber auch, dass Schüren noch 2021 eine weitere Aufgabe übernimmt: Er hat sich als Kandidat der Grünen aufstellen lassen, und möchte im September dieses Jahres in den Bundestag gewählt werden.