Bildquelle: Bitburger

Bitburger Mit Alkohol – ohne Gluten

Der Trend zu „Frei von-Produkten“ im Markt ist ungebrochen. Nun bringt die erste größere Brauerei ein glutenfreies Bier auf den deutschen Markt. Die Frage ist, ob es auch ausreichend Konsumenten gibt, die danach greifen.

Der Markt für glutenfreie Lebensmittel wächst seit Jahren. Vielfältige Medienberichte und auch veränderte Konsumgewohnheiten nicht zuletzt vieler Prominenter haben den Trend befördert. Jetzt kommen nach und nach die ersten Biere in die Regale, die ohne das Klebereiweiß Gluten auskommen, das auch in Braugerste enthalten ist. Mit dabei ist auch die Bitburger Brauerei aus der Eifel. Sie hat ein glutenfreies Bier entwickelt, das jetzt deutschlandweit zu kaufen ist und dauerhaft zum Sortiment gehören soll. „Immer mehr Menschen müssen oder wollen in ihrer Ernährung auf Gluten verzichten“, begründet Axel Dahm, der Sprecher der Geschäftsführung der Bitburger Braugruppe, den Schritt. Mehr als zwei Jahre haben die Brauer in der Eifel an dem hellen Lagerbier getüftelt.

Ein Nischenmarkt?
Bitburger sei die erste große Brauerei, die das glutenfreie Bier unter ihrer Marke anbiete, sagt Dahm. Branchenexperten bestätigten diese Aussage. Allerdings gibt es bereits ein paar kleinere Anbieter von glutenfreien Bieren auf dem Markt. Beispielsweise die bayerische Bio-Brauerei Neumarkter Lammsbräu. Sie bietet zwei glutenfreie Bier-Spezialitäten an. Beide Produkte hätten sich über die vergangenen Jahre gut entwickelt, so Geschäftsführer Johannes Ehrnsperger.

Allerdings sind glutenfreie Biere ein Nischenmarkt. Das meint auch eine Sprecherin der Radeberger Gruppe: „Mit einem geschätzten Marktanteil von unter einem halben Prozent am Gesamtbier-Markt spielen glutenfreie Biere in Deutschland kaum eine Rolle;“ so ihr Statement. Daher habe eine Tochtergesellschaft der Gruppe, die Gesellschaft für Importbiere und Bierspezialitäten, den Vertrieb ihres glutenfreien Pionier-Pilseners Ende 2019 eingestellt. Das Bier kam 2016 auf den deutschen Markt. Doch am Ende habe sich die Zielgruppe am Ende als zu klein erwiesen.

Start mit dem Sixpack
Bitburger hofft zum Start des glutenfreien Bieres, das zunächst im Sixpack erhältlich ist, auf ein Zusatzgeschäft. Bereits im Vorfeld habe es viele Anfragen von Verbrauchern gegeben, wann das Bier in den Handel komme, sagte eine Sprecherin der Braugruppe. „Das haben wir so noch nie gehabt.“ Entsprechend groß wird die Nachfrage eingeschätzt. Andere Brauer stehen offenbar ebenfalls mit glutenfreien Bieren in den Startlöchern.

Von einer Glutenunverträglichkeit, der sogenannten Zöliakie, sind nach Angaben medizinischer Fachkreise jedoch nur etwas mehr als 800 000 Menschen in Deutschland betroffen. Das entspricht ungefähr einem Prozent der Bevölkerung. Hinzu kommen Personen, die eine Gluten-Sensitivität haben und solche, die als Trend auf Gluten verzichten. Für diese Verbraucher sind glutenfreie Produkte natürlich eine Erleichterung. Entsprechend positiv ist die Reaktion ihrer Interessenvertreter.

Suche nach Bedürfnissen
Ob der Markt allerdings groß genug ist und Wachstumspotenzial aufweist, wird sich zeigen. Die Brauereien allerdings sind auf der Suche nach neuen Produkten, denn der Absatz im Biermarkt geht seit Jahren zurück. Umso wichtiger sei es, „Konsumentenbedürfnisse“ mit neuen Produkten zu bedienen, heißt es. Die Brauereien in Deutschland haben im Jahr 2019 so wenig Bier verkauft, wie seit vielen Jahren nicht mehr. Mit einem Absatz von 9,22 Milliarden Litern wurde der bisherige Minusrekord aus dem Jahr 2017 unterboten, berichtete das Statistische Bundesamt.