Bier In der Dose oder in der Flasche?

Welches Gebinde funktioniert am besten im Convenience-Markt? Die deutschen Brauer beantworten diese Frage immer wieder neu. Bier aus der Dose oder der Glasflasche? Mehrweg oder Einweg? Welche Verpackung leistet den größeren Beitrag zum Klimaschutz?

Die Aktivisten der Fridays-for-Future-Bewegung machen sich für Klimaschutz stark. Sie fordern von Industrie, Landwirtschaft und Verkehr verstärkt Maßnahmen, um die Klimaziele von Kyoto bis 2020 doch noch zu erreichen. Dafür gehen die Jugendlichen nicht nur auf die Straße, sondern zeigen, wie man seinen ganz persönlichen ökologischen Beitrag leisten kann. Sie fordern den Verbraucher auf, sein Verhalten zu hinterfragen und zu verbessern – auch im kleinen privaten Bereich. Auch die Vermüllung und die Plastikschwemme ist für die Jugendlichen um Greta Thunberg ein wichtiges Thema – und damit ist für sie auch die Verwendung von Mehrweg-Verpackungen Klimaschutz.

Geschreddert und geschmolzen
Da Mehrwegflaschen aus Glas 40 bis 60 Mal wieder befüllt werden können, bevor sie recycelt werden, leisten sie einen wesentlichen Beitrag zur Minimierung des Abfallaufkommens. Dosen und Plastik-Einwegflaschen dagegen sind meist bereits nach ihrer ersten Nutzung Müll, so die Klimaschützer. Zwar werden beispielsweise die Plastikflaschen gesammelt und gewaschen, doch ein vollständiges Recycling der Flaschen gibt es in Deutschland nicht. Es wäre zu aufwändig und zu teuer. Stattdessen werden die PET-Flaschen meist geschreddert, eingeschmolzen und sind dann nur schwer verwertbar. Aus diesen Gründen geht nur ein Bruchteil des eingeschmolzenen Plastiks in die Herstellung neuer Flaschen.

Doch all diese Aspekte treten bei vielen Verbrauchern nicht erst seit heute, aber durchaus immer noch hinter die Verlockung einer leichteren und bruchsicheren Getränkeverpackung zurück. Auch bei Bier und Biermixgetränken. Hier hat vor allem die Getränkedose im Vergleich zu Mehrwegflaschen ordentlich zugelegt. Entsprechend wächst die Dose national über alle Distributionskanale und in den relevanten Vertriebsschienen sehr dynamisch. Vor allem in Convenience-Shops , wo sich die Kunden schnell mal für unterwegs mit Getränken in Dosen eindecken können, ist diese Einwegverpackung im Trend. „Die Dose wird der zunehmenden Mobilität der Verbraucher am ehesten gerecht und ist auf Grund ihres geringen Gewichts und dem schnellen Kühleffekt gerade für unterwegs gut geeignet“, begründet Till Hedrich, Leiter Handel national bei der Bitburger Brauerei, diese Entwicklung.

Gut für die Produktqualität
Dass die Dose vor allem für Bier oder Biermix-Getränke ideal ist, liegt aber auch daran, dass sie absolut lichtundurchlässig ist, was der Produktqualität zugute kommt. Zudem können die Hersteller die Dose nutzen, um diese vielfältig zu gestalten und als Werbeträger und zu Marketingzwecken einzusetzen. Ein weiterer Grund für den Trend ist, dass der Discount die Getränkedose in den vergangenen Jahren wiederentdeckt hat. „Die verstärkte Listung von Markenbieren in der Dose bei den großen Discountern hat neue Käufergruppen für diesen Bereich generiert. Kein Wunder also, dass es fast sämtliche Produkte in der Dose oder in Mehrweg-Gebinden gibt“, sagt Hedrich.

„Und wie steht es um die Ökobilanz der Dose?“, fragt Jochen Dittrich, Key Account von Karlsberg, und rechnet vor: „Auf einer Europalette mit Mehrweg-6-Packs – das ist das Mehrweg-Gebinde für Tankstellen- und Convenience-Stores – sind rund 317 Liter, auf einer Europalette mit 0,5-l-Dosen sind 864 l, das 2,7-fache. Bei Mehrweg muss man Vollgut hin und Leergut wieder zurück transportieren. Bei der Dose hat man den Transport zum Händler, muss dann aber fairer Weise den Transport zum Recycling-Unternehmen mit hinzurechnen. Bei Mehrweg hat man den Reinigungsaufwand, bei der Dose den Aufwand fürs Recycling. Mindestens ab einer gewissen Kilometergrenze macht die Dose aufgrund des deutlich höheren Volumens pro Palette unseres Erachtens Sinn.“

Rückgabe ist Praxis
Außerdem lässt sich im Unterschied zur PET-Flasche die Dose sehr gut recyceln. Und die Dosenrückgabe gegen Pfand ist mittlerweile gelernte Praxis. „Die Bepfandung der Dose und die Akzeptanz bei den Verbrauchern führt dazu, dass die Dose fast vollständig wieder zurückgeführt wird und recycelt werden kann“, sagt Andreas Anders, Nationaler Key-Account Manager Convenience der Krombacher Gruppe. Die Recyclingquote liegt mittlerweile bei 97 bis 98 Prozent. Das liege auch daran, dass das Material der Dose unendlich oft wiederverwendet werden kann.

Eine Ökobilanz, die sich sehen lassen kann. Kein Grund für die Krombacher Brauerei, sich darauf auszuruhen. Das Unternehmen hat im April vergangenen Jahres auf ihrem Gelände in Krombach im Sauerland eine Dosenabfüllanlage in Betrieb genommen. Dadurch fällt der Transport der Ware zu einem Fremdabfüller weg. „Die Dosenabfüllanlage wirkt sich natürlich positiv auf unsere Umweltbilanz aus“, stellt Andreas Anders fest. Das ist für den Brauer mit dem Werbeslogan „Eine Perle der Natur“ und seiner damit ausgewiesenen Naturpositionierung jedoch nur ein konsequenter Schritt.

Kennzeichnung am Regal
Auch der Handel muss sich seit Januar 2019 aus seiner Komfortzone bewegen. Damit sich der Verbraucher bewusst für Einweg mit Pfand oder eine Mehrwegflasche entscheiden kann, wurde eine verpflichtende Regalkennzeichnung eingeführt. Neben den Preis wird der Verbraucher mit den Worten „Einweg“ und „Mehrweg“ über das entsprechende Getränkesystem informiert – und kann damit ganz bewusst seinen kleinen Beitrag zum Klimaschutz leisten.