Jahrestagung Die Zukunft beginnt jetzt

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„Lasst uns gemeinsam die Branche verbessern.“ Dazu forderte Lekkerland-Chef Patrick Steppe auf der Jahrestagung Handel und Wandel in Tankstellen und Convenience Shops auf. Ein Anliegen, dem sich die Teilnehmen bei diesem Branchentreff zum wiederholten Mal anschlossen.

Seinem Ruf als Top-Event der Convenience-Branche wurde Handel und Wandel in Tankstellen und Convenience Shops erneut gerecht. Die zwei Tage von Berlin waren randvoll mit Informationen zum aktuellen Stand der Dinge in den relevanten Vertriebskanälen der Branche. Bemerkenswert war aber vor allem der intensive Austausch zwischen den Teilnehmern. Vom frühen Morgen bis spät in die Nacht wurde über die Herausforderungen im Convenience-Geschäft und die Frage, wie man sich optimal darauf einstellt, diskutiert. Kein Wunder, denn der Boom des Außer-Haus-Marktes, so der Terminus in der Gastronomie, hat bei Playern in Retail und Gastronomie den Fokus erneut auf das Convenience-Geschäft gerichtet.

Konzeptionelle Unterstützung

„Das ist Fluch und Segen zugleich“, sagte einer der Teilnehmer gegenüber Convenience Shop. Einerseits läuft das Geschäft gut und die Zahl geeigneter Partner und Lieferanten der Shop-Betreiber sowie die bekannten Partner bieten immer mehr konzeptionelle Unterstützung für die Betreiber an. Andererseits wächst der Druck von Playern aus anderen Märkten, wie beispielsweise aus dem Lebensmittel-Einzelhandel, der Bäckereien aber auch aus vielen Bereichen der Gastronomie. Sie versuchen, die convenience-orientierten Kunden mit entsprechenden Angeboten an sich zu binden. Das ist natürlich wenig erfreulich für die Shop-Betreiber, die sich auf der besonderen Mischung ihres Angebotes aus Dienstleistung, Retail und Gastronomie längst nicht mehr ausruhen können. Allerdings kann diese problematische Entwicklung auch ein wichtiger Weckruf für diejenigen sein, die darauf setzen, dass alles einfach so weiter läuft. Ein großer Teil der Branche, das machte die Berliner Veranstaltung ebenfalls deutlich, hat entweder längst seine Hausaufgaben gemacht oder den entsprechenden Veränderungsprozess bereits eingeleitet. Das zeigten Player wie Valora, die mittelständische Mineralölgesellschaft Oest aus Süddeutschland, Shell und viele andere in Berlin auf.

Ansatzpunkte dabei sind natürlich strategische Veränderungen, mit denen sich die Branche beispielsweise auf die gestiegene Herausforderungen durch Gastronomen und Bäcker einstellt. Deshalb ist es auch kein Zufall, dass entsprechende Konzepte wie das von Lekkerland initiierte Frischwerk in diesem Jahr mit dem Preis Shop des Jahres ausgezeichnet wurden. Auch wenn die marktbeherrschende Stellung der Frechener naturgemäß von vielen Akteuren durchaus kritisch gesehen wird, zollt die Branche damit den konzeptionellen Anstrengungen, die Lekkerland-Boss Patrick Steppe seit Übernahme dieser Position unter dem Stichwort Retail-Enablement forciert, durchaus Respekt. Das gilt auch für die Tatsache, dass er sich nicht scheute, die negativen Umsatzentwicklungen in einigen typischen Convenience-Sortimenten zu thematisieren und den Handlungsbedarf sehr konkret aufzeigten.

Intensiv diskutiert wurde in diesem Zusammenhang im Laufe der Veranstaltungen, wie viel Sinn es macht, die Sortimente mit Produkten junger innovativer Unternehmen aufzupeppen. Erneut stellten sich im Rahmen der Veranstaltung Startups vor, die im Convenience-Geschäft mitmischen wollen. Die Frage, ob man diesen Unternehmen den Zugang zum Convenience-Markt erleichtern kann oder muss, wird die Branche in den kommenden Monaten sicherlich stark beschäftigen.

Der Druck wächst

Die weit größere Herausforderung allerdings scheint zu sein, all das, was sich die Entscheider konzeptionelle auf die Fahnen schreiben, im Alltag nachhaltig zu implementieren. Der Druck auf die Shop-Betreiber vor Ort wächst. Durch die nicht gerade steigenden Verdienstmöglichkeiten, gepaart mit dem Anspruch, anspruchsvolle Sortiments- und Gastro-Konzepte dazustellen – und das oft mit vielen ungelernten Aushilfskräften. Deshalb lautet ein zentrales Learning der diesjährigen Veranstaltung: Nur wenn alle beteiligten Partner es schaffen, die von den Convenience-Kunden geforderte Flexibilität, Leichtigkeit und Bequemlichkeit auf allen Ebenen des Marktes glaubwürdig zu leben, können sie ihre Anziehungskraft erneuern und verstetigen.

Doch in der Praxis weht ein starker Wind. Das zeigte auch die allenthalben geführte Diskussion über die zu diesem Zeitpunkt noch bevorstehende Urteilsverkündung des Bundesverwaltungsgerichts zu Fahrverboten für Dieselfahrzeuge. Die Konsequenzen sind noch nicht abzusehen, nicht nur für die Diesel-Fahrer, Hersteller und die Kommunen selbst, sondern auch für die Branche. Tankstellen werden nun einmal mit Kraftfahrzeugen angefahren und beliefert. Simpel gesagt, wenn ein Teil der Kunden wegbricht, weil sie einen großen Bogen um ein Ballungszentrum machen müssen, wäre das manchem Store nicht zuträglich.

Die bereits erwähnte ernüchternde Analyse der wichtigen Warengruppen in Tankstellen (Tabak, alkoholfreie Getränke, Bier, Spirituosen, Süßwaren und Speiseeis) nach Umsatz und Absatz (2017) führte Lekkerland-Chef Patrick Steppe darauf zurück, dass die Branche Kunden an andere Kanäle verliert. Sowohl der Lebensmitteil-Einzelhandel als auch die Quick-Service-Betriebe sowie Bäckereien hätten in den vergangenen Jahren in die Flächen und Warengruppen investiert und damit eine Gesamtzufriedenheit beim Kunden geschaffen. Im Shop-Bereich hat der Fachgroßhändler seine Erkenntnisse zur Erreichbarkeit, Atmosphäre, zu den Preisen und zum Produktangebot sowie zu Schnelligkeit im Konzept Frischwerk materialisiert. Tankstellen-Shops, in denen es umgesetzt ist, haben sich nach eineinhalb Jahren laut Steppe gut entwickelt und weisen einen höheren Durchschnittsbon auf. Mit seinen Überlegungen zur Demokratie und Diktatur im Convenience-Shop ging Kai Ellerbrock von Market Grounds kritisch mit den Großkonzernen zu Gericht. Er rief die Handelspartner quasi zu einer Revolution auf, sich von „der Geißel der Flächenproduktivität, von Werbekostenzuschüssen und überproportionierten Listungsgeldern“ zu befreien. Diese Diktatur führe zu Innovationsreduzierungen in den Regalen, meinte er und brach eine Lanze für alle Startups. Sein Eindruck sei, dass ihre Pläne sehr stabil seien und man sich darum nicht nur mit den globalen Playern in der Indusrie beschäftigen sollte.