Tank & Rast Fastfood mit mehr System

Mehr E-Mobilität, die Unsicherheit durch die Pandemie oder steigende Erwartungen an die Unterwegs- Versorgung. Darauf reagiert die Tank & Rast jetzt – zunächst mit einem Fastfood-Konzept.

Freitag, 13. Mai 2022 - Titel-Story
Martin Heiermann
Artikelbild  Fastfood mit mehr System
Bildquelle: Tank & Rast

Der Raststätten-Betreiber Tank & Rast arbeitet an seiner marktgerechten Neuausrichtung. Ein erster Schritt zur Neupositionierung ist die soeben vorgestellte Boxen-Stopp-Range. Das Snacking- und To-go-Angebot, das klassische Speisenangebote neu interpretiert, will dem veränderten Kundenverhalten Rechnung tragen. Vor allem aber soll gegenüber den Gästen klarer kommuniziert werden, was überall an den Tank & Rast-Autobahn-Nebenbetrieben Einheitliches angeboten wird.

Tank & Rast wird Fastfood-fähig und auch das Speisenangebot des Bonner Unternehmens wird im Mai genau das: Fastfood-fähiger. Gemeint ist damit die neu kreierte Food-Range des Raststätten-Betreibers, die in diesen Tagen an deutschen Autobahnen unter dem Markennamen ‚Boxen Stopp‘ an den Start gegangen ist. Ausgangspunkt hierfür waren die klassischen Tellergerichte in den 380 unternehmenseigenen Restaurants, die der Bonner Konzern an seinen Autobahn-Raststätten betreibt. Gemeint sind damit die Topseller – wie beispielsweise Schnitzel, Bratwurst, Pizza, Frikadelle oder Burger und natürlich Pommes-frites, skizziert Jennifer Schmidt-Brekenfeld, Director Systems Operations bei der Tank & Rast, im Gespräch mit Convenience Shop die Ausgangssituation. Diese Topseller seien der Startpunkt der Überlegungen gewesen. „Die Kunden wollen diese Produkte auch To-go haben. Sie wollen schnell versorgt werden und zudem von Anfang an Klarheit haben, was sie im Raststätten-Restaurant auf der Speisekarte finden“, erklärt Schmidt-Brekenfeld. In den vergangenen zwei Jahren, während der Corona-Pandemie, habe sich darüber hinaus die Entwicklung zum Snacking und zum To-go-Geschäft weiter verstärkt. „Deswegen haben wir eine Speisenkarte entwickelt, angelehnt an die Topprodukte, ergänzt um Trend- und auch um gesündere Varianten, also Salate oder Angebote für Vegetarier, die es überall in unseren eigenen Restaurants an den Raststätten geben wird“, sagt die Verantwortliche.

Mit wenigen Basisprodukten
Dabei konzentriert sich die Boxen-Stopp-Range auf möglichst wenige Basisprodukte, die unterschiedlich kombiniert werden, um geringen Food-Waste zu erzeugen. Frühzeitig habe man in diesen Prozess die Franchisepartner eingebunden, die einzelnen Produkte mit ihnen gemeinsam besprochen und verkostet.

Und so will die Boxen-Stopp-Range die Klassiker neu interpretieren. Neben den Tellergerichten werden die Speisen in einer To-go-Box mit Dips angerichtet und auch klein geschnitten offeriert: „Wir wollen es moderner und setzen den Fokus auf die frische Zubereitung“ betont Schmidt-Brekenfeld. Zudem habe man, so die verantwortliche Tank & Rast-Managerin, auf die Umweltverträglichkeit der Verpackung also der Box geachtet. Darüber hinaus gebe es konkrete Überlegungen zu einem Pfandsystem für das neue einheitliche Speisensortiment. Tank & Rast teste verschiedene Anbieter. Es sei wichtig, ein vollumfängliches Angebot zu machen, also inklusive der Rücknahme von Getränkeflaschen aber auch beispielsweise für die Retouren von Schüsseln und Bowls und anderem. Die Pfand-Lösung müsse sowohl für die Gäste attraktiv sein als auch von allem Betrieben gut abgebildet werden können.

Vom Point of Sale bis zum Plakat
Zum Erfolg soll auch eine entsprechende Kommunikation beitragen. Diese ist bereits am Point of Sale über digitale Screens an den Start gegangen. „Wir machen ungefähr ab Mitte Mai Werbung über Social Media und online“, beschreibt Schmidt-Brekenfeld das weitere Vorgehen. Auch werden Anzeigen geschaltet und LKWs mit Boxen-Stopp-Hinguckern auf den Autobahnen unterwegs sein. Mit Radiowerbung werde Tank & Rast zur entsprechender Zeit nach draußen gehen. Vermutlich wird dies im kommenden Sommer vor den Ferien der Fall sein. Hinzu komme Plakatwerbung. Bei dieser Werbeform werde das Unternehmen noch die ein oder andere Überraschung präsentieren, so die Ankündigung. Auf diese Weise wollen die Bonner ihre bisherige Zielgruppe erreichen und darüber hinaus auch neue Kunden gewinnen. Ziel ist es aber wohl auch, sich neu im Markt zu positionieren.

Neupositionierung im Markt
Das Überdenken der Positionierung der Tank & Rast erfolgt vor dem Hintergrund eines sich verändernden Marktes. Der Geschäftsführer des Bonner Unternehmens, Andreas Rehm, zählt fünf Punkt auf, die dabei aus seiner Sicht von Bedeutung sind. Zunächst sei dies die Transformation hin zu Elektromobilität. Dann spiele die generelle Entwicklung der Verkehre eine wichtige Rolle und auch der Trend hin zu hochwertiger Convenience. Darüber hinaus hält er die Verhaltensänderungen der Konsumenten, bedingt durch die Corona-Pandemie, für bedeutsam und natürlich auch die Digitalisierung.

„Was wir wollen, ist den Gästen Klarheit bieten. Deshalb modernisieren wir unsere Marken“, macht Jennifer Schmidt-Brekenfeld in diesem Zusammenhang deutlich. Im Hinblick auf hochwertige Convenience, dem „Neuen-Normal“ nach der Pandemie und auch in Sachen Digitalisierung sei es für die Gäste überall wichtig, Verlässlichkeit zu haben. Der Gast, so die Marktforschung, wolle wissen, was ihn erwartet, wie die Speisen zubereitet und präsentiert werden. Unter welcher Marke der Tank & Rast dies am Point of Sale geschehe, werde sich zeigen, so die beiden Manager des Rastanlagen-Betreibers.

Eine App ist in Vorbereitung
Wichtig sei dem Reisenden neben der Klarheit und der Sicherheit auch die Schnelligkeit. Hierbei soll die Digitalisierung helfen. Deshalb arbeitet Tank & Rast an einer Verbesserung des Bestellprozesses. Angedacht seien Self-Order-Terminals oder eine App. Es gebe sehr konkrete Vorbereitungen dazu, die noch in der Konzeptionsphase seien. Bedeutung in diesem Zusammenhang hat auch die Auffindbarkeit der einzelnen Rastanlagen und welche Services dort geboten werden, macht Andreas Rehm deutlich. Der Wettbewerb verändere sich zudem durch die Elektromobilität und die entsprechenden Ausschreibungen.

Wie das Unternehmen künftig Schnellladesäulen in sein Angebot integrieren will, kann man jetzt am Beispiel der Raststätte in Werratal erleben: Hier sind Kraftstoff-Zapfsäulen und Ladepunkte unter einem Dach vereint, so wie es das Unternehmen wohl künftig an möglichst allen Stationen umsetzen will.