Gemeinschaftsprojekt Lekkerland Austria geht in Unik auf

Julius Kiennast vom österreichischen Handelshaus Kiennast erläutert im Interview, was er von der Übernahme von Lekkerland Austria und der neuen zusammen mit Unimarkt gegründeten Unik erwartet.

Mittwoch, 30. März 2022 - Titel-Story
Hans Jürgen Krone
Artikelbild Lekkerland Austria geht in Unik auf
Bildquelle: Kiennast

Was beim Kauf von Lekkerland durch die Rewe wie eine Randnotiz klang, hat für den österreichischen C-Markt große Bedeutung: die Bedingung, Lekkerland Österreich von der Übernahme auszuschließen. Die Wettbewerbshüter bestanden darauf. Die Gefahr war eine marktbeherrschende Stellung der Rewe bei der Belieferung von Tankstellen-Shops in Österreich. Jetzt jedoch beliefert die Rewe-Tochter Adeg die OMV, nicht Lekkerland Österreich.

Mit der aktuellen Entwicklung im österreichischen Convenience-Großhandel zeigt sich, dass die Rewe in Österreich auch ohne Lekkerland ihre Position weiter ausbauen kann. Ihr ist es gelungen, den größten Tankstellen-Kunden von Lekkerland Österreich, die OMV, mit ihren über 400 Stationen für sich zu gewinnen. Das ist eine durchaus ernste Situation für Lekkerland in Österreich. Und diese Umsätze kommen jetzt zu den schon bisherigen Rewe-Aktivitäten im österreichischen Tankstellen-Geschäft mit den Konzepten Billa Stop’n Shop oder Merkur Inside und einigem mehr dazu.

Andererseits ermöglichte offenbar diese Entwicklung zwei österreichischen Wettbewerbern von Lekkerland, nämlich dem Handelshaus Kiennast und der Unimarkt-Gruppe, das gemeinsame Projekt einer Übernahme von Lekkerland Österreich und ihre Integration in ein neu gegründetes Gemeinschaftsprojekt namens Unik zu verwirklichen. Der Verlust der OMV als Kunde schmerze dabei „natürlich extrem“, sagt Julius Kiennast dazu, einer der beiden geschäftsführenden Brüder im exklusiven Interview mit Convenience Shop. „Allerdings war uns das Thema bereits bekannt, als wir den Kaufprozess im Herbst gestartet haben. Letztlich war das auch der Grund dafür, dass die ursprünglichen Lekkerland-Eigentümer einsehen mussten, dass sie ohne den Kunden OMV nicht mehr allein würden arbeiten können“, erläutert er die wahren Hintergründe der Entwicklung weiter. Den Unternehmen ist es dabei offensichtlich sehr wichtig, dass die dortige Lekkerland-Organisation in österreichischer Hand bleibt. Man übernehme vor allem Knowhow und langjährige Kundenbeziehungen, beschreibt Kiennast die Strategie der Partner, die allerdings erst aufgegangen sein wird, wenn die österreichische Wettbewerbsbehörde BWB dem Deal endgültig zustimmt. Dass man diesbezüglich sehr zuversichtlich ist, zeigt sich daran, dass das Gemeinschaftsunternehmen Unik, in das Lekkerland Österreich dann integriert werden soll, bereits im vergangenen Jahr gegründet wurde und es deshalb bei der Integration von Lekkerland Österreich nicht wieder zu großen Zeitverzögerungen kommen muss. Die Integration kann sofort starten. Kiennast hat sein Tankstellen-Großhandelsgeschäft, beispielsweise mit Socar, bereits mutig eingebracht. Das Handelshaus erwartet nicht nur von dem Lekkerland-Deal positive Entwicklungen für sein Tankstellen-Geschäft, sondern auch von der Stärke und Frische-Kompetenz seines Partners Unimarkt sowie von der Kraft und Eigenmarkenkompetenz der Einkaufsgemeinschaft Top Team, die im gemeinsamen Besitz von Unimarkt und Transgourmet ist.