Zusatzangebot Fastned will Convenience

Im deutschen Ladenetz für E-Autos mischt auch der niederländische Dienstleister Fastned mit. Er musste im Heimatland lange um sein Recht kämpfen, mehr als Ladepunkte betreiben zu dürfen. Jetzt setzt das Unternehmen auch in Deutschland auf Zusatzangebote.

Freitag, 10. Dezember 2021 - Titel-Story
Hans Jürgen Krone
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Bildquelle: Hans Jürgen Krone

Hat das Thema Convenience-Retail und -Gastronomie in der Automobilität noch eine Zukunft, wenn die Verkehrswende zur Elektromobilität kommt? Diese existenzielle Frage bewegt wohl alle Shop-Betreiber in diesen Tagen. Dass die Mineralölgesellschaften diese Frage mit Ja beantworten, überrascht nicht. Das könnte ihnen aber auch als Zweckoptimismus ausgelegt werden. Denn es fragt sich weiter, ob sie wirklich so denken und planen und was die neuen Lade-Unternehmen sagen.

Shell Deutschland hat sich jüngst entschieden, mit der Rewe-Gruppe an rund 400 Supermärkten jeweils bis zu sechs DC-Ladepunkte zu errichten. Dass könnte als Beleg dafür gewertet werden, dass der Druck groß ist, beim Laden von Elektroautos überall dabei sein zu wollen. Größer vielleicht als der Drang, die eigenen Stationen als Convenience-Hub zukunftsfähig zu machen. Besonders spannend in diesem Zusammenhang ist, wenn neue Player, die vom Strom kommen, ein klares Bekenntnis zu Convenience abgeben, so wie das 2012 in den Niederlanden gegründete Unternehmen Fastned. „An Ladestation wird der Fokus auf Convenience vielleicht sogar noch größer als an der heutigen Tankstelle“, sagt Linda Boll, Public Affairs Manager Germany des Unternehmens, im Interview mit CS. Erst im April 2021 hatte ein Gericht in Den Haag endgültig entschieden, dass der niederländische Staat den dortigen Betreibern solcher Anlagen nicht die Eröffnung von Shops verweigern darf. Jetzt muss man bei Fastned allerdings erst einmal zeigen, wie das Unternehmen sein Vorhaben konkret umsetzen will: Ob es eher auf Gastronomie oder Convenience-Retail mit gastronomischen Anteilen setzt, oder auch auf kassenlose Smartstores setzt. Ein deutliches Zeichen in Richtung Partnerschaften gibt Linda Boll im Interview mit CS schon mal mit Blick auf die traditionellen Tankstellen-Betreiber. Das Unternehmen würde gerne mit einer großen Zahl von ihnen zusammenarbeiten. Eine Rolle wird dabei die bereits laufende Ausschreibung für den regionalen Teil des so genannten Deutschlandnetzes durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, BMVI, spielen. Dieses hat in Deutschland 900 so genannte Suchräume definiert, die sich auf sechs Regionen verteilen. In jedem Suchraum – rund um einen Verkehrsknotenpunkt – soll ein Schnellladestandort mit mindestens vier und bis zu 16 Schnellladepunkten entstehen, um dessen Errichtung man sich bewerben kann.

Bewerber müssen selbst Standorte finden
Die Bewerber müssten selbst geeignete Standorte innerhalb dieser Suchräume einbringen oder finden. Angesprochen würden mit diesem Verfahren regional tätige Betreiber sowie kleine und mittelständische Unternehmen, sagt das Ministerium. Diese könnte Fastned mit seinem Kooperationsangebot für Tankstellen, das es im Interview ausspricht, ins Boot holen und in die Verhandlungen des Bewerbungsverfahrens, das sich wohl noch bis ins dritte Quartal 2022 zieht, einbringen. Ein weiteres Ausschreibungs-Verfahren im Rahmen des Deutschlandnetz-Programms, das eigentlich auch noch in diesem Herbst starten sollte, bezieht sich auf den Aufbau und Betrieb von etwa 200 Schnellladestandorten an den bisher unbewirtschafteten Rastplätzen der Autobahnen. Das gibt Fastned und anderen Bewerbern doch noch die Chance, direkt an die sonst von Tank & Rast dominierten Autobahn – was Boll als „Quasi-Monopolstellung“ kritisiert – zu kommen. Auch an der Autobahn will Fastned solche Stationen mit Convenience-Konzepten bewirtschaftet wissen. Ob das möglich wird, weiß bisher noch niemand. Die Gemengelage ist kompliziert und wird auch dadurch nicht einfacher, dass viele Wettbewerber, wie auch Tank & Rast und Fastned, zusammen in einen Brief gegen die im Gesetz vorgesehene Preisobergrenze von 44 Cent pro Kilowattstunde an den Ladesäulen sowie die 100-Prozent-Finanzierung der geplanten 1.000 Schnelllade-Parks durch den Staat protestierten. Linda Boll bekräftigt die Haltung von Fastned, dass diese Maßnahmen im Markt zu einer starken Verunsicherung führen würden. In dieses Horn stieß im Oktober des laufenden Jahres auch das Bundeskartellamt und nannte die 44 Cent-Preisobergrenze „nicht zielführend“. Wichtig sei, so die Behörde, ein „offener Marktzugang und ein ‚Level Playing Field‘ für alle Anbieter“, an das Linda Boll im Gespräch mit Convenience Shop auch erinnert.