Bildquelle: Deutesche Post DHL

Online-Handel Paketstationen starten durch

Die Idee ist nicht neu. In Zeiten des Online- Handels allerdings haben die Abholstationen einen Siegeszug angetreten. Neben dem Marktführer DHL arbeiten zahlreiche weitere Unternehmen daran, Packstationen weiter zu verbreiten.

Schon in seinem ersten Jahr berichtete Convenience Shop darüber, wie convenient es sein kann, Einkäufe nicht direkt aus dem Geschäft zu tragen, sondern zu bestellen, und dann jederzeit aus einem Schließfach holen zu können. Mit einem solchen Konzept der Zeit weit voraus war schon seit Mitte der 90er Jahre das System Shopping Box im Münchner Einkaufszentrum Pasinger Triangel. Dort konnten Kunden Produkte telefonisch ordern – vom Internet war da noch keine Rede – und später die Ware abholen. Wer sich schließlich vor Ort mit der EC-Karte und Mitgliedsnummer am Automaten identifizierte, der bekam die Nummer seines Faches angezeigt und konnte die Ware dort herausholen und wegtragen. Das Geld wurde dann vom Kundenkonto abgebucht. Aus heutiger Sicht war das Konzept wirklich zukunftsweisend, kam aber wohl zu früh und wird heute längst nicht mehr weiterverfolgt.

Die Idee trägt jetzt richtig
Die Grundidee allerdings, kombiniert mit der Bestellung im Internet, ist derzeit aktueller denn je, schließlich stand das öffentliche Leben während des Lockdown fast still. Da lag es nahe, viel über das Internet zu bestellen und dann schließlich auch sauber und kontaktfrei abzuholen. Der Zug der Paketschließfächer ist auch in Deutschland schon längst nicht mehr aufzuhalten. Sie sind aus den meisten Stadtbildern nicht mehr wegzudenken und sind auf den Parkplätzen von Supermärkten, auf Kreuzungen, in Wohngebieten aber auch an Tankstellen und vor Postfilialen positioniert. Laut DHL stehen derzeit bundesweit rund 4.500 von ihnen mit mehr als 450.000 Fächern in über 1.600 Städten zu Verfügung. „Das bestehende Netz wird erweitert, so dass bis 2021 unseren Kunden rund 7.000 Packstationen bundesweit zur Verfügung stehen“, sagte die Deutsche Post DHL Group kürzlich. „Sobald das Paket in der Packstation angekommen ist, erhält der Empfänger eine Benachrichtigung mit Abholcode per E-Mail oder in der DHL App. Die Abholung ist mit der Kundenkarte möglich. Das Fach öffnet sich und das Paket kann entnommen werden. Oder aber zum Versand eingelegt werden, nachdem an der Station der Barcode der frankierten Sendung eingescannt und ein Fach der Packstation mit der Kundenkarte geöffnet wurde, beschreibt das Unternehmen den Ablauf.

Milliarden von Paketen
Dass dieses Angebot funktioniert, verwundert nicht, wenn man weiß, dass beispielsweise der Logistiker Hermes für das Jahr 2022 bereits mit 4,3 Milliarden Sendungen in Deutschland rechnet. Bei DHL hat sich die tägliche Sendungsmenge in den vergangenen acht Jahren nahezu verdoppelt.

Zum dem großen Player DHL gesellen sich jetzt aber zunehmend auch weitere Akteure, die mit bundesweiten oder regionalen Abhol-Automaten punkten wollen. Ein Beispiel ist das Pilotprojekt für Paketstationen an S- und U-Bahnen, das Hochbahn und ParcelLock im März mit der so genannten Hamburg Box gestartet haben. Seit dem können Hamburgerinnen und Hamburger auf ihren täglichen Weg am Bahnhof Pakete empfangen. Am S- und U-Bahnhof Barmbek enthüllten Deutsche Bahn, Hochbahn und das IT-Unternehmen ParcelLock sowie die beiden Paketdienste Hermes und DPD die erste von insgesamt 15 Hamburg Boxen. Doch Hamburg wird vielleicht nicht die einzige Stadt sein, wo das Konzept verwirklicht wird. Die Partner gaben bekannt, das Hamburg für sie ein Testgebiet ist. Zunächst auf ein Jahr sei das Pilotprojekt angelegt. „Ob das Modell auf andere Städte übertragen wird, soll auf Basis der praktischen Erfahrungen im Testlauf entschieden werden“, so die Partner weiter.

Auch für den Umweltschutz
Das Projekt sei in der Stadt, in der täglich mehr als 200.000 Pakete ausgeliefert würden, nicht nur effizient, sondern auch umweltschonend. Schließlich gebe es weniger Emissionen durch vergebliche Zustellversuche und die Bündelung von Paketzustellungen an zentralen ÖPNV-Übergabepunkten. „Jede Entlastung zum Beispiel durch erfolgreiche Paket-Erstzustellungen ohne weitere Wege durch die Einlieferung in ParcelLock Paketstationen wie die Hamburg Box ist willkommen, um im Sinne aller kontaktarm, effizient und nachhaltig agieren zu können“, sagte Gunnar Anger, Geschäftsführer des IT-Unternehmens.

Politische Forderungen
Die Vorteile solcher Systeme werden inzwischen auch im politischen Raum wahrgenommen. So forderte laut Münchner TZ die CSU in München, künftig in neuen Wohngebieten den Bau von allerdings privaten Paketstationen Pflicht werden zu lassen. Dafür gebe es Umweltgründe aber auch den Wunsch, die aus dem Lieferdienst entstehenden Verkehrsströme zu begrenzen und besser zu lenken.

Anbieter für private Paketstationen gibt es natürlich bereits. Aber es wird Aufgabe von Architekten sein, die Planung solcher Einheiten im großen Stil zu initiieren. Die Nachrüstung bestehender Wohnanlagen oder auch privater Wohnhäuser im großen Stil, wird wohl aber noch länger auf sich warten lassen. Bis es bundesweit in vielen Haushalten soweit ist, nimmt die Zahl der öffentlichen Player voraussichtlich weiter zu.

Amazon betreibt „Locker“
Auch Amazon bietet Prime-Kunden die Möglichkeit, Pakete direkt und kostenlos an Abholstationen liefern zu lassen und sie innerhalb von drei Tagen abzuholen, wenn es für sie am besten passt. Die so genannten Amazon Locker sind laut Unternehmen rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche für die Kunden zugänglich. Bereits im Dezember 2019 wurde an der großen OMV-Tankstelle in der Erdinger Allee am Münchner Flughafen der inzwischen 1.000. Locker in Deutschland aufgestellt.

Ein ausgeklügeltes System nach dem Click & Collect-Prinzip für unterschiedlichste Güter wie auch Frischwaren präsentierte Emmasbox im April 2020 mit dem Systempartner NetModule. Als Gesamtlösungsanbieter stelle man Händlern wie der Edeka, der Migros-Gruppe sowie der Deutsche Bahn das System zur Verfügung.