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Corona Convenience in Zeiten der Krise

Wir sind noch nicht durch! Auf diesen Punkt lässt sich die Entwicklung rund um das Coronavirus aktuell bringen. Convenience Shop versucht eine erste Bilanz der Entwicklungen, natürlich konzentriert auf die Situation in unserer Branche.

Die Convenience-Branche ist und wird von der Pandemie stark betroffen. Selbst wenn die große Masse der Convenience-Stores als „systemrelevant“ eingestuft wurde und deshalb geöffnet bleiben durfte oder musste, sind natürlich Umsatzeinbußen in allen Bereichen dieser so vielfältigen Handelsaktivitäten zu beklagen. Das versteht sich von selbst. Die Shops sind und bleiben doch vor allem der Versorger der mobilen Gesellschaft, von deren ungebremsten Wachstum bisher alle Fachleute ausgingen, ja auch ausgehen mussten.

Weniger Menschen unterwegs
Besonders von den Einschränkungen betroffen, waren vor allem jene Shops, die nicht wohnortnah platziert und fast ausschließlich auf die Frequenz aus Reisetägigkeit aller Art angewiesen sind. „Die notwendigen staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus haben zur Folge, dass die Menschen deutlich weniger unterwegs sind. Damit ging die Nachfrage nach Produkten der Unterwegsversorgung in den vergangenen Wochen stark zurück. Das bedeutet mit Blick auf die Umsätze deutliche Rückgänge, insbesondere bei den Foodservice- und Frische-Sortimenten“, sagte entsprechend Stefan Punke, Vice President National Sales, Lekkerland Deutschland, gegenüber CS. Manche hiervon stark betroffene Tankstelle klagte über 80 Prozent Umsatzrückgang bei Kraftstoffen und ähnlichen Verluste bei einem ganz auf Mitnahmeartikel für die Autofahrer gerichteten Sortiment.

Verkehrsstationen schwierig
Vor allem die Shops, die auf den öffentlichen Personennahverkehr von Bussen und Straßenbahnen bis hin zu Bahnhöfen und Flughäfen ausgerichtet sind, hatten kaum eine Chance, ihre Geschäft mit einigermaßen vernünftigen Umsätzen weiterzuführen. Auch die bisher meist als völlig berechtigt beurteilte Strategie, das Foodservice-Geschäft auf Kosten der Retail-Angebote zu forcieren, zog viele Shops in den Strudel, in dem sich inzwischen ein Großteil der deutschen Gastronomie befindet. Und in der Nach-Corona-Zeit ist nicht mit besonders hohen Nachhol-Umsätzen zu rechnen. Die Menschen haben sich anders versorgt, zuhause gekocht und gegessen: Diese Umsätze sind schlicht weg.

Täglicher Bedarf gefragt
Von einer ganzen Reihe wohnortnaher Tankstellen-Shops und Kioske war allerdings durchaus zu hören, dass sie recht gute Umsätze machen konnten. Die erfahrenen Betreiber stellten vielfach kurzfristig auf neue Bedarfssituationen um und nahmen auch Produkte wie das „heiß begehrte“ Klopapier oder auch Desinfektionsmittel in ihre Shop-Sortimente auf, oft noch nicht mal, um damit wirklich relevanten Umsatz zu machen, sondern ihren Kunden zu zeigen, dass man etwas tut und Kundenwünsche erfüllt.

Das bestätigt auch die Mineralölgesellschaft Total in einem Statement gegenüber Convenience Shop: „Die Epidemie hat einen starken Einfluss auf unsere Aktivitäten. Der gastronomische Sektor ist rückläufig, aber das Shop-Geschäft überrascht uns. Wir beobachten eine Änderung des Kaufverhaltens mit einer Verschiebung auf Artikel des täglichen Bedarfs. Unsere Kunden kaufen andere Größen, wie zum Beispiel die Zwei-Liter-Flaschen. Elektronische Produkte wie Ladegeräte, aber auch Tabak sind nachgefragt. Wir sind überrascht über diese Entwicklungen, insbesondere im Vergleich zu den anderen europäischen Branchen, die zum Teil stärker betroffen sind.“ Auch Stefan Punke von Lekkerland sagt: „Es gab auch stabile Sortiments-Bereiche. Die Nachfrage nach Tabakwaren sowie Electronic Value-Produkte blieb über die vergangenen Wochen gesehen nahezu konstant.“ In die Richtung, das Nahversorger-Sortiment zu komplettieren, gehen Aktivitäten der MCS in Offenburg mit ihrer Aktion „Alles an einem Ort!“. Mit ihrer Hilfe sollen Shop-Betreiber noch offensiver beispielsweise in sozialen Netzwerken auf ihr Angebot aufmerksam machen.

Kleine Flächen übersichtlich
Ein Grund für die verstärkte Nutzung des Nahversorger-Angebots an Tankstellen liegt nach Aussage von Shop-Mitarbeitern darin, dass sich viele Kunden in Zeiten des Shutdowns in den übersichtlichen Shops, die meist auch sehr kurzfristig mit Hilfe der Ladenbauer für mehr Hygiene und sicheren Abstand sorgten, offensichtlich wohler fühlten als in großen Supermärkten. Einer der wenigen positiven Effekte der Krise, von denen Shop-Betreiber deshalb sprechen, ist, dass das Angebot jetzt auch von vielen Menschen wahrgenommen wurde, die solche Shops bisher eher ignorierten. Viele neue Kunden hätten sich bei diesen Besuchen überrascht davon gezeigt, wie vielfältig und auch für sie nützlich das Shop-Angebot der Tankstellen oder des entsprechenden Shops oder Kiosk ist, so die Erfahrung mancher Betreiber. Sie hoffen schon, dass daraus auch positive Effekte für die Zeit nach der Krise entstehen.

Die positive Rückmeldung der Shop-Kunden und die persönliche Ansprache der Menschen, die trotz des Wunsches nach Distanz, offensichtlich jetzt ganz anders geschätzt wurden, tat vielen Mitarbeitern offenbar gut. Trotz des Distanzgebotes oder gerade deshalb sei die Atmosphäre deutlich persönlicher geworden, lassen sich viele Stellungnahmen zusammenfassen. Einige Shop-Betreiber sind auch davon überzeugt, dass sich diese Zeit positiv auf ihr Teambuilding ausgewirkt habe, da man ja diese Zeit gemeinsam durchgestanden hat. Dabei ist natürlich klar, dass auch bei so manchem Mitarbeiter in Kurzarbeit und den vielen Aushilfskräften, für die es keine Verwendung gab, eher der Frust vorherrscht. Bei denen die arbeiteten allerdings und nicht dabei krank wurden – was durchaus zu befürchte war und ist – ist dennoch ein gewisser Stolz darüber, dass man das auch für die Kunden und das eigene Unternehmen gemeinsam durchstand und -steht, unverkennbar. Für die Shop-Betreiber kommt es jetzt darauf an, diese Effekte nicht zu verspielen.

Vending leidet auch
Das gilt sicherlich in ähnlicher Weise auch für die Vending-Branche in Deutschland, die sich hier zu Lande sehr stark auf die Betriebsverpflegung stützt. Der Bundesverband der Deutschen Vending-Automatenwirtschaft (BDV) wies mit Recht darauf hin, dass „Automaten in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Polizeidienststellen und entlang der Lieferkette für Lebensmittel die Grundversorgung der Mitarbeiter garantieren, die während der Corona-Krise für einen reibungslosen Ablauf des täglichen Lebens sorgen.“ Natürlich musste auch diese Branche immer wieder darauf hinweisen, dass die Automaten-Operatoren ebenfalls gut auf Hygiene und Sicherheit achten und bei der Befüllung und Wartung der Geräte mit hohen Hygienestandards arbeiten. Beim Public-Vending, den öffentlich aufgestellten Automaten, waren natürlich Zigarettenautomaten gefragt, ansonsten sind die Warenautomaten aber in Deutschland vor allem an Verkehrsstationen platziert und litten so auch häufig unter der mangelnde Frequenz. Noch interessanter als bisher könnten jetzt die „Regiomaten“ werden, in denen auch vor Tankstellen-Shops Frische-Produkte örtlicher Anbieter vermarktet werden. Sie erfüllen ja auch die immer wieder erhobene Forderung, während und vor allem nach der Krise regional einzukaufen. Solche Angebote sind natürlich auch dazu geeignet, das Sortiment, auch von Tankstellen-Shops ein wenig weiterzuqualifizieren.

„Helden“ wenig gewürdigt
Ein wenig betrübt sind die Betreiber und Mitarbeiter der Convenience-Branche allerdings über die allgemeine öffentliche Wahrnehmung ihrer Leistung. Während die Mitarbeiter in Supermärkten und anderen systemrelevanten Läden immer wieder in Politik, Öffentlichkeit und Publikums-Medien genannt wurden, wenn es um „die Helden dieser Krise“ geht, kamen die Shop-Betreiber und deren Mitarbeiter nur selten vor. Zumindest erkannt haben das offensichtlich viele regionale Tageszeitungen und regionale Online-Portale, die rege und oft sehr persönlich über die Macher von Kiosken, Tankstellen-Shops etc. berichteten. Das zumal sich auch in dieser Branche viele Akteure bei der Unterstützung der Menschen in ihrer Region kümmerten, selber spendeten, zu Spenden aufriefen oder zusammen mit Hilfsorganisationen für Unterstützung sorgten. Da es in Deutschland nach wie vor keinen eigenen Convenience-Verband gibt, der sich zentral um diese Anliegen der Branche kümmern kann und sie öffentlich und vor allem auch in der Berliner Lobbyarbeit zur Geltung bringen kann, müssen die großen Unternehmen in der Branche zusammen mit Großhändlern und anderen Partnern dafür sorgen, dass die Interessen der Shop-Betreiber und ihrer Teams nicht unter die Räder geraten. Und das tun sie auch, vor allem über die sozialen Medien und sicherlich über entsprechende politische Netzwerke.

Viel Arbeit für Großhändler
Die Großhändler mussten sich dabei zunächst einmal im Sinne aller darauf konzentrieren, die Belieferung der Shops sicherzustellen und damit die Voraussetzung zu schaffen, dass überhaupt ein Shop-Geschäft stattfinden kann. „Die Belieferung unserer Kunden mit den Kernsortimenten war in den vergangenen Wochen durchweg sichergestellt“, zog Stefan Punke Ende April gegenüber Convenience Shop eine erste Bilanz der schwierigen Zeit.

Und die Herausforderung, so auch für Großhändler wie die MCS in Offenburg und die in ihr organisierten deutschlandweit verteilten Großhandlungen waren und sind nicht klein, denn dem hohen Lieferanspruch der Kunden steht ja auch eine Sorgfaltspflicht gegenüber den eigenen Mitarbeitern in den Lagern und den Kollegen und Partnern in der Logistik gegenüber.
„Die Gesundheit unserer Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten sowie der Endverbraucher hat für uns höchste Priorität. Deshalb setzen wir alles daran, das Risiko der Ansteckung an allen unseren Standorten und in allen Geschäftsabläufen und Prozessen soweit wie möglich zu reduzieren. Dafür haben wir in allen Bereichen umfangreiche Maßnahmen ergriffen, die wir regelmäßig überprüfen und bei Bedarf intensivieren“, so Punke gegenüber Convenience Shop. Damit trifft er wohl auch den Kern der Bemühungen.

Austausch mit Lieferanten
Dabei konnte oder kann es künftig durchaus auf Seiten der Warenbeschaffung hier und da zu Problemen kommen. Schließlich sind auch im Convenience-Markt die Sortimente sehr international aufgestellt. Aber noch gibt es wohl keinen Grund für größeren Alarm. Man stehe dazu „in engem Austausch mit unseren Lieferanten, um mögliche Lieferengpässe frühzeitig zu erkennen, und gegebenenfalls darauf reagieren zu können“, sagt Punke dazu.

E-Food als Sonderfall
Ein Sonderfall sind in dieser Krise sicherlich die E-Food-Anbieter. Viele von ihnen habe sich gewünscht, von Kunden aller Altersgruppen besser wahrgenommen zu werden. Dass das jetzt und auf diese Art und Weise passieren würde, konnte niemand ahnen. Dass es solche Angebote gibt und wie sie konkret gestaltet sind, wird man nach der Krise nie mehr so grundsätzlich erläutern müssen wie vorher und auch, dass viele Menschen vor dem Shutdown von solchen Angeboten prinzipiell nichts wissen wollten, wird sich auch weit gehend erledigt haben. Der negativste Faktor für diese Unternehmen in dieser Ausnahmesituation ist natürlich, dass sie diesen neuen Kunden bei der Gelegenheit nicht die ganze Stärke ihrer Convenience-Faktoren demonstrieren konnten. Probleme bei der Warenverfügbarkeit, sowie Lieferprobleme mit teilweise mehr als 14-tägiger Lieferfrist, waren und sind kaum angetan, die Konsumenten davon zu überzeugen, dass dies auch ein regelmäßig nutzbares Angebot nach der Rückkehr zur Normalität sein könnte. Die E-Food-Anbieter werden dann die Gelegenheit bekommen, ihre echten Stärken in Sachen Lieferfähigkeit und Termine unter Beweis zu stellen.

Mehr Online-Kommunikation!
Also ein sehr vielseitiges Bild der C-Branche in der Pandemie, so wie die Branche selbst. Jeder dieser Bereiche wird selber für sich feststellen müssen, wie es am besten weitergeht. Gefragt sind dabei Ideenreichtum, Netzwerkarbeit und Flexibilität.

Unstrittig sollte sein, dass die Branche Online wirklich mehr tun muss. Von den Shop-Betreibern war in sozialen Netzwerken und in der Krise zu wenig zu hören. Da muss sich dringend mehr bewegen, sowohl von Seiten der Betreiber vor Ort als auch von Seiten der großen Unternehmen wie der Mineralölgesellschaften und Handelszentralen. Dass man da auch als Partner eine Verantwortung hat, die wahrzunehmen ist, zeigt beispielsweise die beschriebene Aktion der MCS mit ihren für die Online-Kommunikation einfach zu teilenden Vorlagen und Anregungen für das praktische Geschäft. Aber es könnte künftig auch eine stärkere Unterstützung durch die Industrie nützlich und sinnvoll sein.