Lieferdienst Pünktlicher als die Post

60.000 Getränkekisten liefert Flaschenpost im Durchschnitt täglich an seine Kunden aus. Und das an sechs Tagen in der Woche, betont der Getränkelieferdienst. Derzeit stehen die Zeichen auf Expansion.

Donnerstag, 02. April 2020 - Handel
Martin Heiermann
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Bildquelle: Christoph Papsch

Einfach online ordern: Seit Herbst vergangenen Jahres ist nun auch die Zustellung von Getränken in Frankfurt am Main möglich. Denn im Oktober startete Flaschenpost.de in der Mainmetropole mit seinem Lieferdienst. Damit versorgt Deutschlands erster Getränkesofortlieferdienst derzeit Kunden in 125 Städten in Deutschland. Bestellt wird über den Webshop des Unternehmens, der online oder via App zu erreichen ist. Die Idee, die hinter Flaschenpost steht, ist eigentlich naheliegend: Viele Verbraucher, die auf Mehrweg-Getränke – seien es Mineralwasser, Softdrinks oder auch Bier – nicht verzichten wollen, denen das Schleppen der Kästen aber zu schwer und umständlich ist, weil sie dies nicht können oder wollen, finden in den Getränke-Onlinehändler eine Alternative. Das machen Firmengründer Dieter Büchl und Unternehmens-Chef Stephen Weich gegenüber Convenience Shop deutlich: „Flaschenpost heißt Getränke kaufen, ohne dabei Kisten zu schleppen und ohne lästige Pfandrückgabe, und das Ganze lieferkostenfrei“.

Expansion in urbanen Zentren
Die Idee setzten die Gründer vor vier Jahren, 2016, kurzerhand in die Tat um. Der Startschuss fiel im westfälischen Münster. Die Flaschenpost wurde schnell über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Heute ist der Onlinehändler am Gründungsort viel frequentiert und schreibt dort eine Erfolgsgeschichte. Und nicht nur das: Mittlerweile beliefert der Getränkeonlinedienst von 19 Lagerstandorten im Bundesgebiet sein Kunden. Allerdings vor allem in urbanen Verdichtungsräumen. Geplant sei eine weitere Expansion in den wichtigsten Ballungsgebieten Deutschlands, teilt CEO Stephen Weich mit.

Die Getränkebestellung erfolgt per Online-Auftrag oder über die Flaschenpost-App innerhalb von 120 Minuten. Grundsätzlich kann rund um die Uhr bestellt werden – das Internet macht es möglich. „Die Auslieferung erfolgt von Montag bis Samstag zwischen 9 und 23 Uhr,“ sagt Weich. Der Kunden könne zwischen einer Sofortbestellung oder einer Vorbestellung auswählen. Die Lieferung erfolge dann bis zur Wohnungstür und im persönlichen Wunschzeitraum, ohne das dem Besteller dadurch zusätzliche Lieferkosten berechnet würden.

Auch für den ländlichen Raum?
Die eigentliche Herausforderung für die Flaschenpost ist also die logistische Leistung. An den einzelnen Lagerstandorten, die im Schnitt bis zu 80.000 Getränkekisten fassen, arbeiten nach Unternehmensangaben jeweils rund 350 Mitarbeiter daran, dass die Ware kommissioniert und innerhalb von 120 Minuten ausgeliefert wird. Ermöglicht werde die schnelle Lieferung zudem durch ein IT-System, das die Bestellungen zu intelligent geplanten Touren zusammenfasst und im Lager automatisiert vorbereitet. „Durch die hohe Effizienz in der Tourenplanung können im Schnitt sechs bis zehn Kunden mit einer Auslieferungsfahrt beliefert werden“, erläutert der Flaschenpost-Chef. Das spare nicht nur Zeit, sondern entlaste auch den Stadtverkehr und die Umwelt. Das Geschäftsmodell setzt allerdings auch voraus, dass genügend potenzielle Kunden im Umkreis eines Lagerstandortes zu erreichen sind. Ausgesprochen ländliche und dünn besiedelte Gegenden sind dagegen für den Getränke-Onlinehändler wohl nicht attraktiv, weil sich hier eine Zustellung nicht rechnet.

Um die Umweltbelastungen durch die Auslieferungsfahrten weiter zu reduzieren, hat Flaschenpost einen Testlauf mit Elektro-Fahrzeugen auf den Weg gebracht. In Kooperation mit Mercedes-Benz geht das Unternehmen mit dem neuen Elektro-Transporter E-Vito ans Netz.

Zielgruppe der Münsteraner ist so gut wie jedermann: Familien, Singles, Rentner, Studenten oder auch Firmen. Über 60.000 Kisten werden insgesamt täglich an den 19 Lagerstandorten ausgeliefert. Doch nicht nur Getränkekisten können die Kunden anfordern. Neben Wasser, Bier und Softdrinks gibt es auch Wein, Eiswürfel, Putzmittel, Blumenerde oder Toilettenpapier, alles Artikel, die mühselig nach Hause transportiert werden müssten. Die gängigsten Artikel sind laut Onlinehändler allerdings Getränke: Mineralwasser, gefolgt von Softdrinks und Bier. Die Preise im Shop liegen im Durchschnitt auf Supermarktniveau.