Digitalisierung Stationär wird auch digital

Die Zeiten, in denen Fragen der Digitalisierung strikt vom stationären Shop getrennt behandelt werden können, sind vorbei. Shops müssen so eingerichtet und aufgestellt werden dass digitale Services funktionieren.

Montag, 10. Mai 2021 - Industrie
Hans Jürgen Krone
Artikelbild Stationär wird auch digital
Bildquelle: Scandit

Wer sich in der Industrie, von Ladenbauern bis hin zu Technik-Anbieten aller Art, neue Partner für die Gestaltung seines Shops sucht, der tut gut daran, zu hinterfragen, ob diese Industriepartner inzwischen wirklich verinnerlicht haben, dass das stationäre Geschäft und die digitale Ausstattung keine voneinander getrennten Bereiche mehr sind. Wie man heute einen Shop gestaltet, und wie flexibel man diese Gestaltung nutzen kann, hängt oft davon ab, wie die Vernetzung alle Komponenten funktioniert. Die technischen Entwicklungen sorgen dafür, dass die Einrichtung und Ausstattung von Shops, ohne Einbeziehung entsprechender digitaler Strategien und Einrichtungen, ein teurer Fehler sein kann, weil bald teuer nachgebessert werden muss.

Der Handel muss umdenken
Beispiel: Last Mile-Services. „Covid-19 zwingt den Handel zum Umdenken und beschleunigt neue Technologien und Services“, weiß der Manager Matthias Hofmann des Unternehmens Scala, das nach eigener Aussage Weltmarktführer für Digital-Signage-Lösungen ist. Dabei gehe es beispielsweise um mehr Kundenservice durch die Lieferung direkt in den Kofferraum des Kunden, Verkauf rund um die Uhr mit weniger Personal, mehr Individualität, mehr Information über das Smartphone des Kunden, im Laden oder an der Abholbox. Gerade für Güter des täglichen Bedarfs sei deshalb Click & Collect sehr gut geeignet. Aber gerade für die Verkaufsräume der Shops ist die Integration solcher Angebote eine echte Herausforderung. Der Platz für Instore-Abholmöglichkeiten, Schließfächer oder im Lager ist meist sehr begrenzt. „Päckchen und Tüten müssten deswegen in vielen Fällen just in time gepackt werden“, weiß man bei Scala.

Die gesamte Lieferkette und Warenwirtschaft müsse digital gedacht werden – vom Einkauf über die Präsentation bis dahin, wo der Kunde freudig seine Ware auspacke, ist das Unternehmen überzeugt, das deshalb eine Click & Collect-Offensive gestartet hat. „Die Touchpoints, an denen der Kunde begeistert werden kann, werden tendenziell mehr“, sagt Hofmann und spricht damit einen wichtigen Punkt an. Es geht eben dabei gar nicht immer um die Technik selbst, sondern auch darum, ob die Kunden durch diese Services ganz subjektiv ein Stück mehr Lebensqualität bekommen oder diese einfach nur attraktiv finden und sie schlicht nutzen wollen. Das gilt es zu beachten.

Technik in aller Munde
In aller Munde sind derzeit darüber hinaus unter den Stichworten Self-Scanning, Self-Checkout und Scan and go, Systeme deren Bereitstellung sich bestimmt auch in C-Shops deutlich auf den POS auswirken werden. Laut einer Studie des Technologie-Unternehmens Scandit setzen bereits 38 Prozent der großen europäischen Einzelhändler Scan and Go ein, weitere 21 Prozent arbeiteten an seiner Einführung. 27 Prozent der Händler, die bereits Scan and Go anbieten, verzeichneten in den vergangenen Monaten eine steigende Nutzung ihrer entsprechenden Apps – teilweise sogar um mehr als 50 Prozent. Natürlich scheuen kleinere Händler oft den Aufwand, aber für sie sei es „ein Risiko, sich dem Trend zu verweigern und auf Scan and Go zu verzichten, da Verbraucher sich an Self-Scanning und Self-Checkout gewöhnen werden und den Komfort und die Zeitersparnis dann nicht mehr missen möchten“, sagt Scandit dazu.

Wichtige Gesprächspartner
Wenn man zu diesem Themenkreis auch noch die Automatisierung und Digitalisierung zahlreicher Einrichtungen in den Shops hinzu zählt, angefangen bei Kaffeemaschinen, über Kombidämpfer, bis hin zu elektronischen Preisetiketten, dann ist die Zahl wichtiger Gesprächspartner aus der Industrie zu diesen Themen wirklich groß. Um die Dinge besser zu koordinieren, sind diese, über die Grenzen von Angebot und Konzept hinaus, aufgefordert, sich auf gewisse Standards zu einigen und Partnerschaften zu initiieren.
Scandit hat eine Studie zum Stand bei „Scan and Go“ vorgelegt.