Spirituosen Es mixt im Sortiment

Das Spirituosen-Sortiment in Tankstellen hat es derzeit nicht leicht – Ausnahme sind die Pre-Mixes. Neben den Klassikern mit Cola liegen Varianten mit Zitrone und Ingwer im Trend.

Vier halbe Bier, eine Flasche Wein oder 0,1 Liter Spirituosen. Das ist ... ? Wissen Sie’s? Das ist die Definition für Reisebedarf, richtig! Wenn Alkohol und Spirituosen in den letzten Monaten Schlagzeilen machten, dann ging es meistens um den Tankstellen-Streit in Bayern: Wer darf wann was kaufen? Bekanntlich gipfelte die Diskussion in der Idee, dass nur Reisende nach 20 Uhr in Tankstellen einkaufen dürften. Der Reisebedarf in Sachen Alkohol wurde wie oben definiert. Fußgänger und Radfahrer sollten weder ein Fertiggericht, noch eine Flasche Wasser, noch Alkohol bekommen dürfen. Jetzt ist erst mal alles vom Tisch, seit Ministerpräsident Seehofer sich selbst als später Tankstellenkäufer outete – allerdings ohne auszuführen, ob er auch zu Alkohol greift.

Bei dieser Stimmungslage wundert es nicht, dass Nielsens PurchasePanel Tankstelle für 2012 einen Umsatzrückgang für Spirituosen von 4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ausweist. In Euro sind das knapp 224 Mio. statt gut 232 Mio. Euro Umsatz. Im schmalen und flachen Spirituosensortiment der Tankstelle findet man traditionell nur die Zugpferde der jeweiligen Kategorien und darüber hinaus die Produkte, die sofort zu konsumieren sind, wie die Mixspirituosen. Sie gehören neben vielen Verlierer-Segmenten zu den wenigen Gewinnern – und die sollte man umso aufmerksamer betrachten. Mit einem Umsatzwachstum von 3 Prozent heben sich Mixspirituosen deutlich vom Negativ-Trend ab.

Diageo Deutschland berichtet von einem überproportionalen Wachstum bei seinen Pre-Mixes Captain Morgan Spiced Gold & Cola und Smirnoff & Cola. Aufgrund des enormen Potenzials habe man Smirnoff Lemon eingeführt – mit Erfolg. „Smirnoff Lemon zeigt sehr starke Zuwachsraten seit seiner Einführung und steigende Akzeptanz bei den Verbrauchern“, sagt Corporate Relations Director Tobias Gerlach. Die zitronige Geschmacksrichtung liegt bei Mixspirituosen neben Cola deutlich im Trend. So berichtet auch Jim Beam gern über sein Produkt „Jim Beam Lime Splash“, das die absatzstärkste spirituosenbasierte Ready-to-drink-Innovation im vergangenen Jahr war, wenn man auf alle Absatzkanäle blickt (Nielsen, LEH + DM + C&C + TS, Absatz 2012).

Anstatt eine weitere Cola-Variante einzuführen, habe man das Konsumentenbedürfnis nach weniger süßen Varianten identifiziert und mit dieser Innovation befriedigt, heißt es bei der Beam Deutschland GmbH. Der erfrischende Mix mit dem Trendgeschmack wird auch in diesem Sommer mit vielfältigen Maßnahmen unterstützt. Geplant sind eine reichweitenstarke Plakat-Kampagne sowie Sampling- und Verkostungsaktionen. Nicht zuletzt der Erfolg der Lime-Splash-Variante hat den Ausschlag für eine weitere Neueinführung gegeben, die dieser Tage auf den Markt kommt: „Red Stag Ginger & Lime“ ist eine Kombination aus Red Stag und Ginger Ale mit einem Spritzer Limette bei insgesamt 10 Vol. Prozent. Mit Red Stag hatte Jim Beam zuvor einen Erfolg im Bereich der Flavoured Whiskeys hingelegt – das andere Wachstumssegment im Spirituosen-Bereich. Bei Red Stag handelt es sich um einen vier Jahre alten Bourbon Whiskey mit dem fruchtigen Geschmack der Schwarzkirsche, der laut Ni elsen in 2011 die umsatzstärkste Produkteinführung im deutschen Spirituosen-Markt war (LEH + DM + C&C + TS, Umsatz 2011). Gemischt mit Ginger Ale und Limette soll der fruchtige Whiskey-Drink jetzt vor allem die Zielgruppe der 18– bis 29-Jährigen ansprechen. Nicht nur Whiskey-Freunde und Käufer von Red Stag wolle man erreichen, sondern auch ganz neue Konsumenten gewinnen, das ist das erklärte Ziel von Jim Beam für den neuen Pre-Mix.

Dass Mixspirituosen mit Ginger Ale auf dem Markt gute Chancen haben, macht Jack Daniel’s vor. Seit 2007 ist „Jack Daniel’s & Ginger“ auf dem Markt, und Helge Zimmer von Brown Forman Deutschland freut sich. „Mittlerweile hat sich Jack Daniel’s & Ginger in Deutschland als klare Nummer zwei unter den Nicht-Cola-Mixern etabliert“, sagt der Marketing Manager bei Jack Daniel’s. Mit beiden Mixspirituosen der Marke, dem Cola- und dem Ginger-Mix, habe man 2012 überdurchschnittliche Wachstumsraten erzielt und sei Nummer 1 im Tankstellen-Segment. Seit einigen Wochen national exklusiv an Tankstellen und Kiosken erhältlich ist der Tequila-Pre-Mix „El Jimador Margarita“ – die mexikanische Nummer 1. „Der Launch von El Jimador Margarita im deutschen Tankstellenmarkt unterstreicht die Bedeutung, die wir diesem Kanal für Pre-Mixes beimessen“, sagt Kay Knepper, Sales Director bei Brown-Forman Deutschland. Mit der Margarita, einem der weltweit belie btesten Longdrinks, will man im wachsenden Bereich der Non-Cola-Mixes nochmals für zusätzliche Umsätze sorgen und anderen Mitbewerbern wie Bacardis Razz & Up Paroli bieten. Im Test liege dabei El Jimador Margarita vorne.

Wenn es um Mixspirituosen geht, dann geht es auch um die Dose. 93 Prozent aller Mixspirituosen in der Tankstelle werden in der Dose verkauft. Bei einer so starken Dominanz einer Verpackungsart, stellt sich die Frage, ob dieses Segment dann auch eines der ersten sein wird, in dem die wieder verschließbare Dose eingesetzt wird. Doch dabei wollen sich die Hersteller momentan noch nicht in die Karten schauen lassen. Von „keine Aussage“ über „momentan kein Thema“ bis hin zu „kann unter Umständen in Zukunft relevant werden“ reichen die Aussagen.

Nur wenige Mixes kommen in der Glasflasche daher. So brachte Campari den trendigen Aperol-Spritz im vergangenen Herbst als limitierten Ready-to-Serve-Mix in den deutschen LEH und die C&C-Märkte. Eine Distribution in Convenience-Shops wurde aber kaum erreicht. Vielleicht sei es nicht die optimale Jahreszeit gewesen, heißt es selbstkritisch aus dem Hause Campari, wo man sich tendenziell wieder stärker auf das eigentliche Produkt Aperol konzentrieren will. In Österreich und Italien wurde der fertige Mix aus Weißwein, Aperol und Soda dagegen dauerhaft ins Produktportfolio aufgenommen.

www.diageo.com;
www.jimbeam.com;
www.brown-forman.com;
www.bacardi.com