Bildquelle: Ben & Jerry‘s

Eiscreme Eiskalte Ideen auch bei Tiefdruck

Speiseeis ist nach wie vor beliebt, jedoch vor allem bei wärmeren Temperaturen. Damit der Absatz das ganze Jahr über gelingt, lassen sich die Hersteller einiges einfallen.

Acht Liter Speiseeis verzehrten die Deutschen 2019 pro Kopf, dennoch ist der Eismarkt hier zu Lande leicht rückläufig, sowohl was Absatz als auch Umsatz angeht. Das stellt der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie, BDSI, fest. Vor allem im Vergleich zum Rekordjahr 2018. Denn kaum ein Produkt ist so wetterabhängig wie Eis. „Die Marktentwicklung der Jahre 2018 und 2019 bestätigt die starke Korrelation des Eisabsatzes mit dem Wetter. Dies gilt für alle Eissegmente, Impulseis, Multipackungen, Haushaltspackungen und Gastronomieprodukte“, erklärt BDSI-Geschäftsführer Ernst Kammerinke. Habe es im Jahr 2018 einen langanhaltenden heißen Rekordsommer gegeben, seien die vielen warmen und trockenen Phasen im Sommer 2019 immer wieder von Tiefdruckgebieten mit teils ergiebigen Regenschauern unterbrochen worden. Insbesondere der Mai sei im vergangenen Jahr zu kühl und zu nass ausgefallen. Dennoch ist, so Kammerinke, die Kategorie Speiseeis bei allen Bevölkerungsgruppen unverändert beliebt. „Für das Jahr 2020 sind wir daher verhalten optimistisch und erwarten Absätze und Umsätze in einer Größenordnung in etwa wie im Jahr 2019.“ Zahlreiche Innovationen machten jedes Jahr aufs Neue Lust auf Eis. Und das Konsumklima in Deutschland befindet sich nach wie vor auf einem hohen Niveau.

DMK setzt auf Marken
Ein guter Grund also für die Hersteller, auf dem Eismarkt auch im Convenience-Markt mit neuen Ideen und Impulsen mitzumischen. So setzt die DMK-Group , Deutsches Milchkontor, auf Markenausbau und -kooperationen. „Für die DMK Group geht es in 2020 um den weiteren konsequenten Auf- und Ausbau eines profitablen Markengeschäfts, das inzwischen bereits 15 Prozent Anteil am Gesamtgeschäft ausmacht. Zudem steht die Optimierung der Prozesse und die deutliche Steigerung der Distribution im Fokus“, erläutert Marcus-Dominic Hauck, COO von DMK Ice Cream. „Dabei ist die Bekanntheit unserer Produkte bei Kunden und Endverbrauchern eine Grundvoraussetzung für eine positive Markenentwicklung.“ So ergänzt bei der Produktreihe Baileys ab März 2020 die neue Sorte Strawberries & Cream das 500-Milliliter-Bechersegment. Außerdem geht die Mixbox Mini Selection Pleasure an den Start, und drei neue Sorten Baileys-Stieleis in der Dessertportionsgröße sollen laut DMK für mehr Abwechslung sorgen.

Bei der eigenen Marke „Milram“ bringt DMK die Buttermilch-Eissorten Erdbeere und Zitrone jetzt auch ins starke Segment der Waffelhörnchen, um den Wunsch der Verbraucher nach Abwechslung und Convenience zu bedienen, so das Unternehmen. Zudem erweitert der Eishersteller mit Ahoi-Brause sein Markenportfolio: Das Waldmeister-Himbeere Eis mit Zitronensaucen-Topping und Ahoj-Brause-Perlen soll demnach in Verbindung mit dem Design der Marke für eine hohe Wiedererkennbarkeit und neue Kontaktpunkte mit der Zielgruppe sorgen. Bei diesen Produkten sei die neue Kooperation mit Katjes Fassin ein weiterer wichtiger Baustein.

Eiskalte Lust das ganze Jahr
Hersteller Häagen Dasz will mit seiner neuen Barista-Collection Eisliebhabern, die auch ein Faible für Kaffee und Tee haben, das ganze Jahr Lust auf Speiseeis machen. Wählen kann der Konsument zwischen Barista Chocolate Frappé Pint, ein Schokoladeneis und Schokokuchenstücke, Caramel Chai Latte Pint, schwarzer Tee kombiniert mit Gewürzmischung sowie Karamell-Ingwersauce und Keksstückchen, als auch Brownie Macchiato Pint, Kaffeeeis und Schokolade, im Mini-Becher oder dem Barista Brownie Macchiato Stieleis einzeln oder in der Multipackung.

Auf eine salzige Note sowie Kuchen in Eisform setzt Froneri Schöller und launcht in diesem Jahr die zwei neuen Eissorten Mövenpick Lemon Cheesecake und Mövenpick Salted Caramel. Bio und Nachhaltigkeit stehen dagegen Unilever bei Langnese Solero im Fokus. Das gibt es jetzt auch in den Geschmacksrichtungen Bio Lemon und Juicy Lemon im Fünferpack. Dabei verzichtet man auf Plastik-Einzelverpackungen. Die neue Verpackung besteht, so das Unternehmen, zu 95 Prozent aus Papier.

Hersteller Ben & Jerry‘s verbindet seine Speiseeis-Produkte dagegen gerne mit gesellschaftlichem Engagement: So launchte das Unternehmen gemeinsam mit dem FC St. Pauli die Eissorte „Melting Pot“. Mit dem Verkauf der limitierten Sorte würden Initiativen unterstützt, die sich für Solidarität, Gleichstellung und Vielfalt einsetzen. Gemeinsames Ziel sei es, durch den Verkauf Spenden in Höhe von 150.000 Euro zu erzielen.

Zudem haben die beiden Gründer Ben Cohen und Jerry Greenfield die Sorte „Come Together“ auf dem ersten UN-Forum für Geflüchtete in Genf vorgestellt, wie das Unternehmen mittelt. Ziel sei es, einen Weg zu finden, wie die mehr als 70 Millionen Flüchtlinge weltweit ein Leben in Sicherheit führen und in ihrer neuen Heimat ankommen können. Ein Teil des Erlöses aus jedem Becher gehe daher an NGO-Partner in ganz Europa, die sich für Flüchtlinge einsetzen, teilt das Unternehmen mit.

Neben dem gesellschaftlichen Engagement konzentriert sich Ben & Jerry‘s in 2020 nach eigenen Angaben weiterhin auf die Inhaltsstoffe seiner Produkte. So seien die veganen Sorten ein Verkaufsschlager. Man habe sie in 2019 um den Klassiker „Cookie Dough“ in veganer Version erweitert. Zudem wird das Unternehmen ab Sommer 2020 das offizielle Siegel für 100 Prozent Weidemilch tragen. Schon lange habe man sich für nachhaltige Milchwirtschaft eingesetzt. Die Zertifizierung garantiert laut Unternehmen, dass die Kühe mehr als 120 Tage im Jahr und mindestens sechs Stunden pro Tag, auf der Weide stehen. Nun habe man alle Ben & Jerry‘s-Sorten auf 100 Prozent Weidemilch umgestellt. 

Der Wunsch nach innovativeren Produkten
David Marx, Inhaber von „The science kitchen“, Molekularkoch und selbst ernannter Eisrevolutionär, ist überzeugt, dass Eis, auch im Convenience-Markt das ganze Jahr Saison haben könnte, unabhängig vom Wetter, wenn die Produkte deutlich innovativer wären. „Gibt es überhaupt noch den Eisliebhaber oder sprechen wir hier allein ‚nur‘ von Kindern? Früher war eine Eisdiele in der Mall oder am Hauptbahnhof Pflicht, heute bestenfalls nice to have. Eis wird also zunehmend ersetzbar. Hier läuten meiner Meinung nach die Alarmglocken“, so der 51-Jährige. „Mag Eis zum Frühjahr hin noch von großem Interesse sein, ebbt dieses bereits zum Sommer hin deutlich ab. Eis ist langweilig geworden. Lasst uns das Ganze mal revolutionieren.“