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Coldbrew Kommt in die Regale

International ist er schon lange ein Trend-Getränk: Coldbrew-Kaffee. Jetzt bringen immer mehr Markenartikler und kleine Startups entsprechende eiskalte Produkte für unterwegs in die Kühlungen der Convenience-Stores.

Das Kaffee-Geschäft gehört nach wie vor zu den wichtigsten Säulen des Gastro-Geschäfts im Shop. Viele Kunden kaufen sich dort inzwischen nicht nur nebenbei einen Kaffee, sondern kommen oft extra deswegen. Kein Wunder also, dass Shop-Betreiber aufhorchen, wenn dem stabilen Kaffee-Trend eine neue Facette hinzugefügt wird: Coldbrew. Spätestens seit Starbucks die Spezialität vor vier Jahren in den USA in sein Angebot aufnahm, ist Coldbrew ein Thema für alle, die mit Kaffeeverkauf Geschäfte machen. Der wesentliche Unterschied in der Zubereitung von Coldbrew liegt darin, dass der Kaffee nicht mit heißem Wasser gebrüht, sondern mit kaltem Wasser aufgegossen wird. Anschließend lässt man ihn mindestens acht Stunden ziehen und filtert ihn dann. Das Ergebnis wird als besonders geschmacksintensiv beschrieben. Vor allem aber soll der Coldbrew allgemein säurearmer und damit für viele Menschen besser verträglich sein.

Coldbrew als Energy-Drink
„Coldbrew ist quasi ein Energy-Drink. Das Kaffee-Kaltgetränk hat einen sehr hohen Koffeingehalt. Bei unseren Sorten liegen die Werte bei 39 mg/100 ml (Salted Caramel Latte) beziehungsweise bei sogar 50 mg (Orange & Ginger Flavoured)“, erklärt Tchibo auf seiner Homepage. Seit 2018 verkauft das Unternehmen die zwei Sorten in seinen Filialen und im Online-Shop. Das war offenbar auch ein Ergebnis des Tchibo Kaffeereports 2018, laut dessen Erkenntnisse bereits 18,4 Prozent der Kaffeetrinker in Deutschland Coldbrew kennen. Zwei Prozent der 18 bis 39-Jährigen trinken Coldbrew regelmäßig, so der Tchibo Kaffeereport 2018 weiter.
Die aktuellen Entwicklung und der Einstieg einiger weiterer großer Hersteller könnte die Coldbrew-Produkte hier zu Lande deutlich weiter voranbringen. Milram bringt unter dem originellen ‧Namen „Kalder Kaffee“ ein Milchmischgetränk auf den Markt, das „kräftigen Coldbrew Coffee mit laktosefreier Milch mischt und sonst nichts“, sagt das Unternehmen. „Extragedöns und Schnickschnack sucht ihr dagegen vergebens“ so Milram augenzwinkernd weiter. Auch dieser Hersteller setzt in seiner Kommunikation auf die Energie im Koffein und erklärt: „Das Produkt gibt es in stark und extra-stark.“ Der trendige Wachmacher kommt aber ohne Zuckerzusatz, Süßstoffe und künstliche Zusatzstoffe aus.

Danone springt ebenfalls auf den Zug auf und launcht im April seinen nicht kühlpflichtigen Coldbrew „Stok“ in der CartoCan. Angeboten wird er in den drei Sorten: Schwarz und Zuckerfrei sowie Vanille und Mocha mit „weniger Zucker“. Zu dem Schritt ermutigt fühlt sich das Unternehmen von der durch Nielsen dokumentierten Entwicklung, dass der deutsche Ready-to- drink-Eiskaffee-Markt zwischen Oktober 2017 und Oktober 2018 um etwa 20 Prozent, auf ca.250 Mio. Euro Umsatz, gewachsen ist. Die Käuferreichweite ist laut Nielsen im selben Zeitraum um 11,4 Prozent gestiegen, das entspräche fast einer Million neuer Käufer für diese Produktgruppe. Der Coldbrew für Stok soll mindestens. zehn Stunden gebraut werden und sorge so für kräftigen, aber runden Geschmack, der nicht sauer oder bitter sei. Aus Sicht von Danone ist Cold- brew so etwas wie das „Craft“ des Kaffees und die Tatsache, dass sich in den USA diese Kategorie mit ihren Umsätzen On Top des seit Jahren fast unveränderte Ready-to-drink-Eiskaffeemarktes setzen konnte, lässt Danone offenbar hoffen, dass das auch hier zu Lande gelingt.

Ebenfalls eingreifen in das Geschäft mit Cold Brew will die Deutsche Extrakt Kaffee. Sie bringt ihren „Goldbrew“ in der Aluminium Slimdose auf den Markt. Der von der Rainforst Alliance zertifizierte Kaffee kommt im April in „Pure Nitro Infusion“, Grapefruit Lemon“ und „Ginger Lemon“ auf den Markt. Das Unternehmen nennt seine Produkte „Energy-Drinks auf Coldbrew Basis und stellt damit einen ähnlichen Zusammenhang her, wie Tchibo und Milram sowie Danone. Letzterer sieht seine Drinks in der Mitte zwischen Energy Drinks und Eiscaffees positioniert.

Karacho war Vorreiter
Spannend wird der Eintritt großer Unternehmen in diesen Markt für das Startup Karacho, das im Coldbrew Markt bereits seit 2017 eine Art Vorreiterrolle übernommen hat und sich bereits zahlreiche Listungen, so auch bei Rewe To Go, erarbeiten konnte. Zu bieten hat Karacho aktuell die drei Sorten: Organic Latte, Vegan Coco & Rice sowie Sparkling Lemon. Seinen Kaffee der aus dem Südwesten Indiens stammt, röstet das Unternehmen rund 20 Minuten, „während die Industrie selten länger als 6 bis 8 Minuten hierfür aufwendet“, so Karacho. So bauten sich im Kaffee enthaltene Gerbsäuren besonders effektiv ab. Auch dies trage zu Qualität und Geschmack bei. Karacho versetzt den frisch gemahlene Kaffee dann für etwa 14 Stunden mit kaltem Wasser, filtert ihn und füllt ihn laut Unternehmen dann in kürzester Zeit frisch ab. Dem Trend im Shop-Geschäft auf die Sprünge helfen könnte auch eine stärker Verbreitung von Coldbrew in der Gastronomie. Hier will Nestlé mit einer servierbereiten Variante punkten. „Mit Nescafé „Cold Brew“ können Gastronomen im Handumdrehen ein Trend-Getränk servieren“, sagt das Unternehmen. Das könnte auch für die Shop-Gastronomie ein interessantes Angebot sein.