Nahversorger Die neue Chance

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Mit der Nahversorger-Kompetenz von Tankstellen-Shops & Co. war es bisher nicht weit her. Das könnte sich im Schlepptau von Rewe to go, Spar Express und anderen jetzt ändern.

Wer als Nahversorger gelten will, der muss Produkte anbieten, die die Kunden für zuhause kaufen, weil sie sie dort regelmäßig brauchen und im täglichen Leben eine wichtige Rolle spielen. In den Pionier-Tagen des deutschen Convenience-Marktes gehörte ein qualifiziertes Nahversorger-Angebot zu den modernen Konzepten dazu. Berater mit Weitsicht empfahlen damals das Sortiment qualifiziert aufzubauen, vor allem auch um die Convenience-Shops für die Kundengruppe der Frauen attraktiver zu machen, auf deren Schultern der Einkauf auch heute noch überwiegend lastet. Doch angesichts der Impulskauf-Euphorie und wachsendem Platzbedarf für gastronomische Angebote, wurden der relevanten Produkte einfach aus dem Sortiment gestrichen.

Aber werden im Convenience-Markt damit nicht Umsatzchancen verschenkt? Darüber denkt die Branche inzwischen verstärkt nach. Inspiriert wird sie dabei von Konzepten wie Rewe to go. Natürlich setzt das Unternehmen auch auf den schnellen Impulskauf, aber Rewe zeigt, oft in reduzierter Form und kleinen Packungen, dennoch mehr Nahversorger-Kompetenz als andere. Sortimentsbereiche wie Wasch-/Putz-/Reinigungsmittel, Körperpflege/Hygiene, Kosmetik, Fleisch/Wurst/Geflügel, Suppen/Saucen, Fertiggerichte, Molkereiprodukte, Kaffee/Tee/Kakao, Kindernahrung und Frische sind hier jedenfalls deutlich besser vertreten als in den meisten anderen Tankstellen-Shops. Angeboten werden bei Rewe to go, wie in den Convenience-Shops üblich und sinnvoll, die profiliertesten Marken. Dazu kommen aber auch Rewe-Eigenmarken, die allerdings dort teurer angeboten werden als in Supermärkten.

Die Zurückhaltung im Nahversorger-Sortiment war früher beidseitig. Der Convenience-Handel wollte den Platz anders nutzen und – mit einigen Ausnahmen – war die Industrie angesichts der geringen Absatzmenge auch zögerlich. Doch der Wandel ist ebenfalls im Interesse beider Seiten. So sehen große Markenartikler diese Entwicklung jetzt durchaus mit Interesse. So auch Nadja Goebel, Senior Produktmanagerin bei Teekanne: „Auch wir beobachten in Zeiten, in denen Konsum immer mehr ‚on the go‘ stattfindet, dass die Bedeutung der Convenience-Shops deutlich zunimmt. Für uns sind sie vor allem für den Tea-to-go-Bereich von hoher strategischer Bedeutung. Einen perfekt zubereiteten Tee auch unterwegs zu genießen, darin sehen wir gegenüber dem Kaffeebereich noch großes Potenzial,“ sagt sie gegenüber Convenience Shop. „Die Menschen erfüllen nicht mehr nur die dringendsten Bedürfnisse in Convenience-Shops, sondern decken dort zunehmend auch weitere Bedarfe des täglichen Lebens. Mit einer Käuferreichweite von 80 Prozent ist Tee hier nicht weg zu denken. Etwa zwei Drittel der Menschen trinken täglich oder mehrmals in der Woche Tee. Er gehört für viele nicht nur in ein gesundes Ernährungskonzept, sondern ist Teil eines ganzen Lifestyles, der immer mehr Anhänger findet. In diesem Lifestyle spielen auch die Convenience-Shops eine große Rolle, weshalb deren Bedeutung für uns ebenfalls rasant ansteigt“, so Goebel weiter.