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Tiefkühlkost Backwaren sind die Tiefkühl-Helden

Die Aufwärtsentwicklung bei TK setzt sich fort. Die Kunden wollen, dass die Zeichen der Zeit erkannt und die Produktpalette den aktuellen Ernährungstrends angepasst werden.

Werden die Backwaren-Zahlen des Deutschen Tiefkühl-Institutes (dti) analysiert, entfalten diese ihren speziellen Charme. Tiefkühl-Backwaren kennen seit vielen Jahren nur noch den Weg nach oben. Das gilt sowohl für Privathaushalte als auch für Großverbraucher, weiß dti-Geschäftsführerin Dr. Sabine Eichner, die sich natürlich freut, dass sich die Aufwärtsentwicklung fortsetzt. Der Gesamtabsatz kletterte 2016 um 2,5 Prozent auf gut 3,6 Mio. t. Im vergangenen Jahr betrug ihr Umsatz 13,8 Mrd. Euro im Vergleich zu 13,3 Mrd. Euro 2015; also 3,6 Prozent plus.

Das dti zeigt sich vor diesem Hintergrund sehr zuversichtlich. Die Interessenvertretung der deutschen Tiefkühlwirtschaft kalkuliert für 2017 mit einem Pro-Kopf-Verbrauch tiefgekühlter Produkte von 46,3 kg. Das wäre eine neue Höchstmarke. Ein Rekord wurde schon 2016 mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 45,4 kg erzielt. Es sind Backwaren, die erheblich zum glänzenden Standing der Tiefkühlkost beigetragen haben. Im LEH/HD belief sich ihr Absatzwachstum auf 1,3 Prozent. Im Außer-Haus-Markt waren es sogar 5,9 Prozent.

Free-From-Produkte - Wachstumstreiber

Im Retail-Bereich sind TK-Brötchen am beliebtesten, sie brachten es 2016 auf ein Plus von 3,6 Prozent. Kuchen und Torten konnten sich mit einem Plus von 0,2 Prozent behaupten. Eichner konkretisiert: „Im Trend beim Endverbraucher lagen vor allem Blechkuchen, Kleingebäck und vorportionierte Kuchenangebote. Denn sie bedienen optimal die Anforderungen im Hinblick auf kleinere Haushaltsgrößen und kleine Zwischenmahlzeiten.“

In steigendem Maße betätigen sich die so genannten Free-from-Produkte als Wachstumstreiber für Backwaren, weiß die dti-Chefin. Dem Wunsch nach Gluten- und Laktosefreiheit kommt in diesem Zusammenhang eine wachsende Bedeutung zu.

Bei glutenfreien Produkten zeigt sich der Vorzug der TK-Einzelverpackungen. Denn die Hersteller achten besonders auf eine glutenfreie Umgebung. Vor Ort im Handel muss bei der Warenpräsentation daran angeknüpft werden.

Eine Laktoseintoleranz firmiert nicht unter dem Oberbegriff Allergien, sondern unter Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Wer darunter leidet, besitzt einen angeborenen oder erworbenen Enzymdefekt – beruhend auf einem Mangel an dem Enzym Laktase. Der Laktase-Mangel kann sehr unangenehme Folgen haben, die sich zum Beispiel in Blähungen und Durchfall, Bauchgrummeln und Bauchschmerzen zeigen.

Laktose ist nicht nur in Milch und Milchprodukten enthalten. Sie taucht auch in Convenience-Produkten auf. Aus lebensmitteltechnologischen Gründen wird Laktose häufig Brot und Gebäck, Fertigsuppen, Fertigsaucen und Streuwürzen zugesetzt.

Laktosefreie Milchprodukte sind eine Alternative. Auch sie sind reich an Vitaminen, Mineralstoffen und Eiweiß. Die Inhaltsstoffe der Milch bleiben hier unverändert.

Exemplarisch richtete die Ernährungsstudie der Techniker-Krankenkasse den Fokus auf sie. Der Studie aus dem vergangenen Jahr ist zu entnehmen, dass gerade bei den 18- bis 25-Jährigen die vermeintliche Betroffenheit zunimmt: 2013 bekannte sich 1 Prozent der Befragten zu einer Laktoseintoleranz – 2016 waren es bereits 12 Prozent.

Bei der Techniker-Krankenkasse nimmt man allerdings an, dass sie es an dieser Stelle im Wesentlichen mit eingebildeten Leiden zu tun hat. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat außerdem herausgefunden, dass rund 80 Prozent der Käufer von laktosefreien Produkten keine Milchzuckerunverträglichkeit haben. Ähnlich ist die Lage bei glutenfreien Produkten. Denn es werden wesentlich mehr glutenfreie Produkte verkauft als Zöliakie-Betroffene letztendlich wirklich bekannt sind.

Ob nun „eingebildetes Leiden“ oder nicht: Wenn sich Convenience-Shops organisatorisch und logistisch auf die Nachfrage nach gluten- und lakosefreien Produkten einlassen und sich damit in ihrem räumlichen Umfeld oder sogar ihrer Region profilieren, dann wird das nicht zu ihrem betriebswirtschaftlichen Schaden sein. Im Gegenteil.

Es kann sich für den Shop-Verantwortlichen rentieren, sein Sortiment unter diesem Gesichtspunkt einem kritischen Check zu unterziehen. Bei dieser Gelegenheit könnte er auch gleich schauen, ob er in anderen Backwaren-Bereichen gut genug aufgestellt ist.