Süßwaren Fairer Schoko-Boom

Immer mehr Süßwaren-Hersteller setzen auf fair gehandelten Kakao. Die Wachstumsraten können sich sehen lassen. Aber es gibt auch noch reichlich Potenzial.

Langsam, aber sicher treten fair gehandelte Produkte aus ihrer Nische und werden deshalb auch für C-Stores immer interessanter. Dazu tragen auch die Ambitionen der Discounter bei, die inzwischen gerne fair gelabelte Produkte in ihr Sortiment aufnehmen. So werden Käuferschichten erreicht, die nicht unbedingt zu den Stammkunden der Billigheimer zählen.

Den Transfair-Verantwortlichen soll es nur recht sein, denn ihnen geht es darum, die Absätze von fair gehandelten Waren zu erhöhen, um letztlich so viel wie möglich Kooperativen und Kleinbauern unterstützen zu können. Da müssen eben auch hier und da Kompromisse eingegangen werden. Das macht sich bezahlt: Insgesamt 827 Mio. Euro gaben Verbraucher im vergangenen Jahr für Fairtrade-Waren aus. Das sind 26 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor. Das stärkste Wachstum seit Bestehen des Siegels. „Der deutsche Fairtrade-Markt entwickelt sich sehr dynamisch. Die absatzstärksten Produkte Kaffee, Banane, Blumen und Kakao legen weiter kräftig zu“, sagt TransFair-Geschäftsführer Dieter Overath.

Das mit Abstand größte Wachstum wurde mit Fairtrade-Kakao erzielt. Hier stieg der Absatz 2014 auf mehr als 7.500 t. Ein Jahr zuvor waren es gerade mal 1.000 t. Dies sei vor allem auf die Einführung des Rohstoffprogramms zurückzuführen.

Unternehmen haben seit vergangenem Jahr die Möglichkeit, Kakao unter Fairtrade-Bedingungen einzukaufen, um diesen dann in verschiedenen Sortimenten oder auch in der Gesamtproduktion einzusetzen. Dadurch eröffnen sich für Produzenten, wie beispielsweise Mars, Ferrero oder Riegelein, die sich an dem Programm beteiligen, ganz neue Absatzmöglichkeiten. Früher lag der Schwerpunkt auf der Zertifizierung von Endprodukten mit dem Fairtrade-Siegel. Heute können bei Süßwaren beispielsweise anteilig Zucker und/oder Kakao eingesetzt und entsprechend gelabelt werden.

„Im Jahr 2014 lag der Anteil an nachhaltig erzeugtem Kakao in Süßwaren in Deutschland bei 27 Prozent.“
Bundesverband der DeutschenSüßwarenindustrie (BDSI)

So haben die Produkt-Manager bei Mars beispielsweise beschlossen, ihren Twix-Riegel nur noch mit fair gehandeltem Kakao anzubieten. Einige Süßwaren-Hersteller haben sich sogar verpflichtet, bis 2020 die Hälfte ihres Kakaos nachhaltig zu beziehen. Big Player Ferrero nimmt ebenfalls am Fairtrade-Kakaoprogramm teil und ist inzwischen sogar größter Einzelabnehmer.

Dass Nachhaltigkeit im Süßwarenbereich im Trend liegt, bestätigt auch der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) in Bonn. Lag der Anteil an nachhaltig erzeugtem Kakao in Süßwaren 2011 gerade mal bei 3 Prozent, so betrug dieser Anteil 2014 bereits 27 Prozent. Tendenz steigend. „Ein verantwortungsvoller und schonender Umgang mit natürlichen Ressourcen ist eine wichtige Säule, um die Lebensgrundlage künftiger Generationen zu erhalten. Dies gilt vor allem für den so wichtigen Rohstoff Kakao“, teilt der Verband mit, der nach eigenen Angaben bereits 2o12 seinen Mitgliedern empfohlen hat, den Anteil nachhaltig erzeugten Kakaos deutlich zu erhöhen. Ehrgeiziges Ziel: Bereits in zehn Jahren soll dieser Anteil bei 70 Prozent liegen.

Dazu ist es allerdings notwendig, dass sich weitere, vor allem auch große Marken-Hersteller beteiligen. Das fordert auch Overath, der einige bekannte Marken, wie beispielsweise Ritter, hier vermisst.