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Handel & Wandel Das Heute und Morgen

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Kaffee von der Tankstelle gilt in der Öffentlichkeit oft noch als Plörre. Das ärgert C-Store-Betreiber. Sie arbeiten daran, solche Vorurteile abzubauen. Schwieriger wird das allerdings beim Preisimage. Hoch oder runter? Eine einheitlich Lösung wird es nicht geben.

Der Rollout von Rewe to go an Aral-Tankstellen läuft auf Hochtouren. Rund 200 Stationen werden jährlich umgestellt, teilte Rainer Kraus auf der Jahrestagung Handel und Wandel in Tankstellen und Convenience Shops mit. Angesichts der massiven Aufrüstung ärgert es den Leiter Transformation Convenience-Geschäft, dass Tankstellen in Deutschland trotzdem immer noch ein „ölverschmiertes“ Image anhaftet.

Etwas neidvoll blickt er dabei nach Großbritannien. Dort hätten die Kunden die Vorteile eines Shops längst begriffen. Zum Beispiel, dass sie nicht in der Schlange stehen müssen und dass der tägliche Bedarfskauf günstiger als der Plankauf ist, weil es kein Verderb gibt und dadurch weniger weggeworfen werden muss. Zudem müsse der deutsche Kunde auch lernen, dass Frische nichts mit Haltbarkeit zu tun habe.

Gute Erfahrungswerte hat Aral bzw. der Mutterkonzern BP im Ausland mit Kooperationen gemacht, etwa mit Marks & Spencer in Großbritannien oder mit der Rewe-Tochter Mercure in Österreich. Außerdem läuft mit Ah to go gerade in den Niederlanden ein Test. Viel versprechende Projekte, die laut Kraus auch Shops die Chance geben, aus dem Dunstkreis des traditionellen Lebensmittel-Einzelhandels herauszutreten. Probleme sieht er aber auf die Tankstellen bei der Parkplatz-Bereitstellung für die Kunden zukommen.

Der neue Lekkerland-Boss Patrick Steppe betonte in seinem Vortrag, dass sich der Convenience-Trend dynamisch entwickelt. Deshalb müsse sich das Shop-Geschäft an Tankstellen ebenfalls verändern. Allerdings werde es die „perfekte Tankstelle der Zukunft, die an jedem Standort erfolgreich sein kann“, nicht geben. Dennoch ist er sicher: „Die Tankstelle der Zukunft kann individuelle, vielfältige Kundenbedürfnisse befriedigen und sich gegen den unterschiedlichen Wettbewerb behaupten.“

Doch auf diesem Weg brauchen sie nach Steppes Meinung noch viel Unterstützung. Er sieht in sehr vielen Bereichen noch Entwicklungspotenzial. Um das zu heben, schlägt Lekkerland einen Prozess vor, den das Unternehmen „Retail Enablement“ nennt. Die dazu notwendigen Maßnahmen sollen beispielsweise bei der Optimierung der Warenwirtschaftsprozesse, bei intelligenten Sortiments- und Vermarktungslösungen, Foodservice-Rundumlösungen, Modernisierungsmodellen für Shop- und Bistroambiente sowie Mitarbeiter-Schulungs- und Trainingsangeboten ansetzen.

Für Carlo Caldi, Managing Director Tank & Rast, steht der Veränderungsprozess ebenfalls im Mittelpunkt und er vertiefte das an Hand mehrerer Bausteinen:

Caldis Meinung nach wird zum Beispiel das autonome Fahren das Geschäft beeinflussen. Bisher bieten Raststätten noch eine Entspannungspause vom Fahren und Steuern. Doch wenn der PKW erst einmal ein mobiles Büro sei, werde sich die Nahrungsaufnahme ins Auto verlagern.

Da sich bei den Kraftstoffen heute alles noch um Diesel, Benzin etc. drehe, seien auch die Infrastruktur und Prozesse an allen Tankstellen noch sehr standardisiert. Das werde sich beim Pricing bemerkbar machen. Ein Cent Unterschied ändert das Kaufverhalten. Mit einem Mix an Energieträgern entgingen Tankstellen dem Preisvergleich.

Deutsche lieben es, cash zu bezahlen. Aber das sei teuer. Pro Tankstelle und Monat belaufen sich die Kosten auf 1.000 Euro und mehr. Caldi kann sich vorstellen, dass sich das Prinzip des Amazon-Shops ohne Kassenvorgang (nur durch Betreten und Verlassen wird bezahlt), durchsetzt. Zudem ermögliche der elektronische Cash auch Kundenbindungsprogramme.

„Wir sind in der Branche noch zu analog, digital wird uns überholen“, prognostizierte der Tank & Rast-Manager. In der Zukunft gehe es vor allem um Transparenz, stellte er fest.

Das Geschäftsmodell Tankstelle sei noch viel zu sehr auf das Auto fixiert und nicht auf den Kunden ausgerichtet. Kundendaten werden also in Zukunft die Planung in Shops ändern.

Und last but not least: Das Massengeschäft müsse individualisiert und auf die Kundenvorlieben ausgerichtet werden.