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Internationaler Geldtransfer Geld für die Welt

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Der Kiosk als Geldinstitut? Soweit ist es noch nicht. Kleinflächen, vor allem solche mit langen Öffnungszeiten, bieten aber mittlerweile eine Dienstleistung im Finanzsektor an: Sie verschicken Bargeld in Sekundenschnelle ins Ausland.

Nutzen können das vor allem jene, die keinen Zugriff auf ein Bankkonto haben, etwa Migranten, aber auch Urlaubsreisende, denen das Portemonnaie abhanden gekommen ist.

Alle Jahre wieder reist Krzysztof im April nach Freiburg, um dort sechs Wochen lang bei der Spargelernte zu helfen. Seinen Lohn bekommt er wöchentlich – hart verdientes Geld, das er zeitnah seiner Familie nach Polen schicken will. Abgesehen davon, dass diese mehrere Kilometer bis zur nächsten Bank fahren muss, ist es für Krzysztof uninteressant, für den kurzen Deutschland-Aufenthalt hier zu Lande ein Konto zu eröffnen.

Einem Bericht der Weltbank zu folge besitzen weltweit 2,5 Mrd. Menschen überhaupt kein eigenes Konto. Und laut Schätzungen der Verbraucherzentralen und Schuldenberatungen können eine halbe Millionen Deutsche mangels Konto nicht an solchen Transaktionen teilnehmen. Auch wenn die Bundesregierung den Weg für einen erleichterten Konto-Eröffnungsprozess auf Guthabenbasis geebnet hat, ist noch nicht sichergestellt, dass es – vor allem in Schwellen- und Drittländern – ein Empfängerkonto gibt. Nach dem Motto „nur Bares ist Wahres“ beharren 90 Prozent der Deutschen auf Scheine und Münzen. Außerdem gewinnt angesichts der Migrantenthematik der internationale Bargeldverkehr, im Fachjargon auch Remittances genannt, an Bedeutung.

Deutschland ist laut Weltbank mit 21 Mrd. US-Dollar jährlich (Stand Frühjahr 2016) das viertgrößte Senderland weltweit. Davor liegen die USA (56 Mrd. USD), Saudi-Arabien (37 Mrd. USD) und Russland (33 Mrd. USD). Hier zu Lande hat sich der Markt für Bargeldtransfer seit 2000 mehr als verdoppelt, bei einer Zunahme der ausländischen Bevölkerung im gleichen Zeitraum von 7,3 Mio. auf 9,1 Mio. in 2015 (Statistisches Bundesamt). Wichtige Regionen für den Geldtransfer aus Deutschland sind Zentral- und Osteuropa. Dort flossen rund 14,5 Mrd. Euro hin. Zweit größte Empfangsregion ist Asien mit 3,1 Mrd. Euro.

Für den Austausch zwischen zwei Ländern, möglicherweise sogar Kontinenten, etablieren sich die Systeme von Geldversendern bzw. Money-Transfer-Operators (MTO) wie Western Union, MoneyGram und Ria Financial Services, um die hier zu Lande Bekanntesten zu nennen. Sie sind Finanzdienstleister, aber keine in Deutschland zugelassene Bank. Sie sind weltweit vertreten, haben aber in Mitteleuropa bereits ein relativ dichtes Netz an Vertriebspartnern bzw. Agenten. Western Union arbeitet zum Beispiel bundesweit mit der Postbank zusammen und ist in mehr als 1.000 Filialen vertreten.

In der Regel kooperieren die Service-Dienstleister außerdem mit selbstständigen Partnern vor Ort, häufig Kleingewerbetreibenden, so auch mit Kiosken. Dort läuft der Transfer wie folgt ab: Kunden, die Bargeld versenden möchten, füllen im Shop ein Formular aus und zahlen den gewünschten Betrag ein. Die Filialen bzw. Agenturen leiten den Auftrag über ihre IT-Systeme an den Provider, also Western Union, MoneyGram und Ria weiter, die ab diesem Zeitpunkt alle weiteren Transaktionstätigkeiten übernehmen.

Für sie sind Vertriebsstandorte mit langen Öffnungszeiten interessant. Angesichts der verschiedenen Zeitzonen ist dies ein nicht zu unterschätzender Faktor, denn wenn in Deutschland jemand morgens um 9 Uhr die Sendung veranlasst, dann sollte gewährleistet sein, dass der Empfänger in Fernost über das Geld zeitnah verfügen kann. Das hängt natürlich auch von den örtlichen Regelungen ab.