Bildquelle: Archiv/Stefan Mugrauer, Aral

Aral Die Speerspitze

Das Shopgeschäft an den Aral-Tankstellen war erneut zentrales Thema des Pressegesprächs, in dessen Rahmen der Vorstandsvorsitzende Patrick Wendeler, sowie Rainer Kraus, Leiter Transformation Convenience-Geschäft, über die aktuelle Situation des Marktführers berichteten.

„Trotz eines verschärften Wettbewerbs haben wir unsere Rolle als Nummer 1 im Tankstellen-Shopgeschäft verteidigt und gleichzeitig die Grundlage für die erfolgreiche Weiterentwicklung in den nächsten Jahren gelegt.“ So bilanzierte der Aral-Vorstandsvorsitzende Patrick Wendeler die Entwicklung.

Das Unternehmen sieht aktuell eine starke Veränderungs-Dynamik im gesamten Tankstellenmarkt. „In dieser Gesamtentwicklung bildet das Shopgeschäft die Speerspitze, denn in keinem anderen Geschäftsbereich wandeln sich die Wünsche und Erwartungen der Kunden so tiefgreifend wie hier“, konkretisierte Rainer Kraus, Leiter Transformation Convenience-Geschäft bei Aral, seine Überzeugung. Wie die Mineralölgesellschaft (MÖG) dieser Herausforderung begegnet, ist seit fast genau einem Jahr bekannt: Das Unternehmen arbeitet im Shop-Geschäft mit Rewe zusammen und will bis 2021 bundesweit etwa 1.000 Aral-Shops auf Rewe to go umstellen. Ein ehrgeiziger Plan, wie Kraus jetzt noch einmal betonte. Allein in diesem Jahr soll die Zahl der umgestellten Shops auf deutlich über 200 steigen und mit dem System soll 2017 bereits jedes Bundesland erreicht werden, berichtete er.

Faktisch bedeute das, dass bei Abzug von Feiertagen und Wochenenden 2017 pro Woche sechs Shops fertig werden müssten. „Eine ungeheure Leistung unserer Bauabteilung“, betonte Kraus. Denn investiert und umgebaut wird von Seiten der MÖG. Das war wohl eine entscheidende Bedingung der Konzernmutter für den Abschluss des Rewe-Deals. Aral will sich das Heft an den Stationen nicht aus der Hand nehmen lassen. Dennoch ist das, verglichen mit anderen weltweiten Branchen, immer noch eine ungewöhnliche Entscheidung des internationalen Mineralölkonzerns BP, der hier zu Lande ja bereits akzeptieren musste, dass er nicht unter BP, sondern unter dem Namen Aral auftritt und jetzt auch noch an seinen Shops den Handelskonzern Rewe flaggt. Und zu vermuten ist, dass das neuartige Shopangebot schon bald an den entsprechenden Stationen noch stärker ausgelobt wird. Schließlich muss die Transformation für potenzielle Kunden immer noch deutlicher werden.

Dass sich all das lohnt, davon ist Rainer Kraus überzeugt, zeigt sich doch nach seiner Auskunft, dass an den bisher 70 umgestellten Stationen deutlich Umsatzzuwächse zu verzeichnen sind: „Im Durchschnitt verbuchen wir ein zweistelliges Umsatzplus im Vergleich zum vorhergehenden Konzept“, berichtet er. Die Umsatzzuwächse im Foodservice-Bereich liegen laut Kraus sogar zwischen 70 und 140 Prozent. Gestiegen sei auch der Anteil von Neukunden im Shop, die Kunden kauften allgemein mehr und häufiger ein und der Frauenanteil sei um 3 Prozentpunkte gestiegen. Letzteres sieht Kraus als Bestätigung des Frischekonzeptes bei Rewe to go, denn weibliche Kunden achten deutlich stärker als Männer auf Frische und auf gesunde Lebensmittel. Folglich verzeichnet Aral auch einen Anstieg der Familien mit Kindern unter den Kunden.

Einen klaren Unterschied zum traditionellen Tankstellen-Shop meint Kraus bei den Kaufmotiven zu erkennen. Während im klassischen C-Store an der Tankstelle das „impulsgesteuerte sofortige Stillen von Hunger und Durst“ im Vordergrund stehe, hätten die Kunden bei Rewe to go „oft bereits die nächste oder übernächste Mahlzeit im Kopf“. Ein Einstieg also in das von Fachleuten „Home-Meal-Replacement“ genannte Geschäft, das in anderen Ländern bereits eine große Rolle spielt.

Damit könnte sich endlich auch das Image der Tankstellen-Shops merklich verändern. Dass es hier noch viel zu tun gibt, macht Kraus an dem Hit aus dem Jahr 2015 der Sängerin Mika „Lieblingsmensch“ fest. In dem Song heißt es „und die Plörre von der Tanke schmeckt wie Kaffee auf Hawai“. Das mit der Plörre ärgert ihn, schließlich verkaufte das Unternehmen an seinen Stationen 2016 etwa 31. Mio. Becher qualitativ hochwertige Kaffees und Kaffeespezialitäten. Daran, dass die Kunden damit Aral zum Marktführer bei Coffee to go in Deutschland gemacht haben, und dennoch solche Textzeilen feiern, zeigt sich, dass Klischees hartnäckig sind. Bis zur echten Akzeptanz des Verkaufs von Lebensmitteln in Tankstellen, mit welchem Konzept auch immer, ist es wohl noch ein langer Kampf, für den sich Aral durch die Partnerschaft mit Rewe jetzt aber optimal aufgestellt sieht.