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Tabakwerbeverbot Die neue Ära der Tabakwaren

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Nach der Tabakproduktrichtlinie ist vor dem Tabakwerbeverbot. Ein Gesetzentwurf liegt bereits vor. Weil Widerstände aufkamen, hat der Bundestag seine Verhandlung noch einmal vertagt. Doch damit ist die Frage noch nicht vom Tisch, ob ab Mitte 2020 für Tabakerzeugnisse und E-Zigaretten auf Plakaten und im Kino noch geworben werden darf.

Die InterTabac, weltgrößte Fachmesse für Tabakwaren und Raucherbedarf, wirft ihre Schatten voraus: Vom 16. bis 18. September trifft sich die Branche wieder in der Messe Westfalenhallen Dortmund. Abgesehen davon, dass die Aussteller ihr Produktportfolio jetzt mit Schockbildern und Warnhinweisen präsentieren, ist bereits abzusehen, dass zwei Themen die Leitmesse beherrschen werden: die Umsetzung der in Kraft getretenen Tabakproduktrichtlinie sowie das Tabakwerbeverbot.

Das Tabakerzeugnisgesetz soll dahingehend geändert werden, dass „es verboten ist, Außenwerbung für Tabakerzeugnisse, elektronische Zigaretten oder Nachfüllbehälter zu betreiben. Das gilt nicht für Werbung an Gebäudeaußenflächen von Geschäftsräumen des Fachhandels.“ Doch dazu gibt es noch Klärungsbedarf, etwa was unter Geschäftsräume des Fachhandels zu verstehen ist.

Trotz strenger Werbebeschränkungen ist derzeit noch Plakat- und Kinowerbung sowie das Sponsoring erlaubt. Besonders pikant: Gerade für die Städte und Gemeinden ist dies eine zusätzliche Einnahmequelle, denn sie vermieten die Werbeflächen an die Unternehmen. Laut Fachverband Aussenwerbung e. V. (FAW) bestreiten sie 15 Prozent aller Plakat-Erlöse: „Das Geschäftsmodell der Außenwerbeunternehmen sieht vor, dass diese in kommunale Infrastruktur investieren und im Gegenzug das Recht zur Werbung erhalten; teilweise darüber hinaus auch noch Umsatzbeteiligungen an die Kommunen abführen“, wird FAW-Geschäftsführer, Jochen Gutzeit, vom Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages zitiert.

Aber geht es nun nach den Vorstellungen von Bundesernährungsminister Christian Schmidt, würde er mit dem Werbeverbot diesen Geldhahn zudrehen. Selbst E-Zigaretten und die entsprechenden Liquids möchte er in Städten und Gemeinden nicht mehr auf großen Plakatwänden sehen – eine Hürde für einen Markt, der gerade im Aufbau begriffen und auf jede fachliche Kommunikation zum Kunden angewiesen ist.

Die Posh Global GmbH hatte diesen Weg vor zwei Jahren eingeschlagen. 2014 stieg das Unternehmen mit einer groß angelegten Werbeoffensive ein. Ein 10-Mio. Euro-Budget hatte Posh Global für seine in Deutschland hergestellten Produkte bereitgestellt, um es zur „bekanntesten Marke hier zu Lande“ zu machen, so das ambitionierte Ziel.

Fakt ist: Werden E-Zigaretten weiterhin so boomen wie in den vergangenen Jahren, dann entwickelt sich schnell ein Mrd.-Euro-Markt. Beliefen sich ihre Umsätze 2010 noch auf 5 Mio. Euro, so sind daraus bis Ende vergangenen Jahres 275 Mio. Euro geworden, also das 55-Fache. Bis Ende 2016 prognostiziert der Verband des eZigerattenhandels (VdeH) sogar einen Gesamt-Umsatz bis zu 400 Mio. Euro.

Einen Spitzenrekord melden auch die Veranstalter der InterTabac 2016: Rund 60 Aussteller aus 14 Ländern haben ausschließlich oder als Ergänzung E-Zigaretten im Programm und etwa ebensoviele bieten Liquids an. Die Leitmesse hat sich damit in den vergangenen sechs Jahren zum wichtigsten internationalen Showplatz für die E-Zigarettenbranche entwickelt.
TNS Infratest hatte im Juli im Auftrag des Verbandes des eZigarttenhandels (VdeH) mehr als 2.000 deutsche Konsumenten zu den Elektronischen befragt. Das Ergebnis ist ernüchternd, lässt aber auch Hoffnung aufkommen. Danach sind etwa 46 Prozent der Deutschen davon überzeugt, dass die E-Zigarette genauso schädlich ist wie die Tabakzigarette. Weitere 10 Prozent gehen sogar davon aus, dass sie mehr Schadenspotenzial besitzt. Nur 16,6 Prozent entschieden sich für „weniger schädlich“.
Es besteht also noch Aufklärungsbedarf, denn nach wissenschaftlichen Erkenntnissen seien E-Zigaretten um 95 Prozent weniger schädlich als die Tabakzigarette und eignet sich für Raucher sehr gut als Alternative. Diese Tatsachen sind allerdings nur einem Sechstel der Bürger in Deutschland bewusst, wie die Umfragen Public Health England 2015 und EU-Studie 2016 zeigen.