Bildquelle: Archiv/Stefan Mugrauer

Frische-Trends Spionage ausdrücklich erlaubt

Die Ernährungsgewohnheiten sind im Umbruch. Was Experten deshalb der Gastronomie empfehlen, kann unter der Maxime „Experimente wagen!“ auch der Convenience-Branche Impulse geben.

Der Frühling ist die Zeit des Aufbruchs und die der Internorga. Im Umfeld der internationalen Leitmesse für das Gastgewerbe werden traditionell Ausblicke in die nähere Zukunft gewagt – und vor allem darauf, wie sich die Ernährungsgewohnheiten der Konsumenten voraussichtlich verändern werden. Diese sind im Umbruch.

Wer im Convenience-Shop-Bereich Verantwortung trägt, kann sich unter der Überschrift „Über den eigenen Tellerrand schauen!“ an der einen oder anderen Stelle von dem inspirieren lassen, was renommierte Wissenschaftler und andere Experten ursprünglich und eigentlich für die Gastronomie ausgetüftelt haben.

Insbesondere für das Sortiment der Frische-Snacks ergeben sich einige Anregungen. Dabei würde es selbstverständlich nicht um das komplette Umkrempeln des Sortimentes in Tankstellen und Co. gehen. Aber möglicherweise sind dort ein paar Ecken frei: Und in denen lässt sich manches ausprobieren, was der Gastronomie nahe gelegt wird oder sich dort deutlich als „Must have“ abzeichnet.

Die Zukunft gehört dem personalisierten Marketing

Weniger Zucker, mehr lokaler Bezug, mehr Bio, mehr Frische – nach Überzeugung der Wissenschaftler des Gottlieb Duttweiler Institute (GDI) lassen sich diese Trends kaum zurückdrehen. Das legen sie in dem Papier „Restaurant 2025 – Sieben gastronomische Trendthesen“ dar. Zugleich sind sie sich sicher: Die Bedeutung der Produzenten beim Marketing und im direkten Austausch mit den Konsumenten wird weiter wachsen. Das heißt auch für die Convenience-Branche: Die Gesichter und Geschichten der Produzenten werden wichtiger.

„Wo früher die Fernsehköche im Fokus standen, werden morgen die Bauern zu den Stars“, ist zu lesen. Künftig würden die Produzenten vermehrt die Aufgabe eines Labels übernehmen. Das Vertrauen liege dann nicht mehr bei großen Marken, sondern bei den Herstellern: Die bilden eine Einheit mit ihren Produkten und bürgen persönlich für ihre Qualität. Die Waren werden also personifiziert.

Fazit der Wissenschaftler des unabhängigen Trendforschungsinstitutes mit Sitz im schweizerischen Rüschlikon: „Die Zukunft gehört dem personalisierten Marketing – nach dem Motto Markenbotschafter statt anonyme Brands.“

Impulse für den Convenience-Shop-Bereich können außerdem die Ausführungen zum Thema „Migration Food“ liefern. Nach Auffassung der Wissenschaftler entsteht durch die Migration in Deutschland eine große Nachfrage nach kulturgerechten Angeboten. Schließlich bringen die Migranten ihre spezifischen Lebensmittel und Gerichte sowie ihre eigene Esskultur mit.

Fusions-Konzepte haben Wachstumspotenziale

Diese Nachfrage könne durch eine differenziertere Angebotsgestaltung aufgegriffen werden. Das heißt: Es dürfen auch im C-Store-Bereich statt Pizza und Thai-Curry auch afrikanisches, persisches oder afghanisches Essen im Angebot sein. Zugleich sei das ein Zeichen der Toleranz. Denn: „In einer pluralistischen Gesellschaft wird die Zugehörigkeit zu einer Minderheit nicht mehr als Makel empfunden.“ Ein solches Zeichen wiederum wird zwar nicht von allen, jedoch von vielen Kunden positiv wahrgenommen. Das Credo lautet hier: „Wem die Lebensmittel und Getränke eines Landes schmecken, der mag oft auch seine Menschen.“

Im „Food-Report 2017“ spielt Frische ebenfalls eine zentrale Rolle. Die Mehrheit der Verbraucher wolle heutzutage ein frisches und gesundes Essen, bestätigt die Autorin Hanni Rützler. Die Wienerin gilt als eine der Pioniere der Ernährungswissenschaft. Frische-Snacks können eine der intelligenten und alltagstauglichen Lösungen sein, mit denen der Verbraucher-Anspruch an ein gesundes, frisches und schnell verfügbares Essen befriedigt wird.

Auf mediterrane Kost trifft das laut Rützler besonders zu. Aufmerksam beobachtet sie zum Beispiel die Snacks mit libanesischer Prägung, die sehr leicht und nährstoffreich sind. Ihnen sagt die Expertin auch in Deutschland eine große Zukunft voraus.

Ohnehin wittert sie in so genannten Fusions-Konzepten noch beträchtliche Wachstumspotenziale. Der deutsche Snack-Markt konzentriere sich zurzeit auf Europa. Hingegen ist in anderen Ländern die Verbindung etwa zwischen asiatischer und lateinamerikanischer Küche selbstverständlich. Mehr Mut zu Fusion könnte auch dem Convenience-Shop-Bereich Impulse geben.