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Energy-Drinks Für die Debatte gewappnet sein

Der Druck auf die Hersteller und Händler von Energydrinks wächst. Richtige Gegenargumente können ihn mindern.

Die Einschläge kommen näher. Möchte man sich unbedingt militärisch ausdrücken, dann wäre diese Aussage mit Blick auf die Diskussion um Energydrinks nicht unpassend. Denn der öffentliche und veröffentlichte Druck auf die Hersteller nimmt in jüngster Zeit deutlich zu. Und das fordert auch die Händler heraus; die sollten argumentativ gegensteuern können.

Ein Schlüsselbegriff in diesem Zusammenhang lautet: „Zuckersteuer“. Die Zuckersteuer würde zahlreiche Limonaden, Brausen, Fruchtsaftgetränke und ähnliche Produkte treffen. Energydrinks müssten ebenfalls daran glauben.

Weltgesundheitsorganisation gießt Wasser auf die Mühlen

Noch ist die Zahl der Länder überschaubar, in denen eine solche Abgabe greift – aber diese Zahl wächst. Frankreich, Ungarn und Mexiko waren die Vorreiter. Frankreich installierte 2011 eine Art Limonadensteuer. Ungarn besteuert seit demselben Jahr zuckerhaltige Getränke, aber auch vorverpackte süße und salzige Snacks. Mexiko etablierte Anfang 2014 eine 10-prozentige Steuer auf zuckerhaltige Getränke. Belgien hat in diesem Jahr eine so genannte Gesundheitssteuer eingeführt, die jeden zuckerhaltigen Liter mit drei Cent belegt.

In Ländern wie Südafrika, Irland und Indien sind Zuckersteuern auf der Zielgeraden oder werden zumindest sehr ernsthaft debattiert. In einigen Gegenden der USA wurden Tatsachen geschaffen, so etwa in Philadelphia. Dort hat ab 2017 eine Steuer von umgerechnet 40 Cent pro Liter Gültigkeit. Großbritannien kündigt für 2018 eine Abgabe auf alle Getränke mit mehr als 5 Prozent Zucker an.

Mehr Wasser auf die Mühlen der Zuckersteuer-Befürworter hat jüngst die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gegossen – und das wiegt schwer. Ihre Empfehlung an die Adresse sämtlicher Regierungen: Zuckerhaltige Getränke sollten mit einer Sondersteuer von mindestens 20 Prozent belegt werden. Nach Überzeugung der WHO wären weniger Übergewicht, Fettleibigkeit, Diabetes und Karies das Ergebnis.

Energydrinks werden von ihren Gegnern nicht nur wegen ihres Zuckeranteils in die Zange genommen, sondern vor allem aufgrund ihres hohen Koffeingehaltes.

Markenkommunikation richtet sich an den mündigen Verbraucher

In Deutschland setzt die Bundesregierung gegenwärtig sowohl bei Energydrinks als auch bei anderen zuckerhaltigen Getränken auf das Prinzip der Freiwilligkeit und auf Ernährungsbildung. Verwiesen wird unter anderem darauf, dass die Verpackung eines Energydrinks alle Informationen zu Nährwerten und Zutaten enthält – und den Hinweis „Erhöhter Koffeingehalt. Für Kinder und schwangere oder stillende Frauen nicht empfohlen“ trägt.

Darüber hinaus bestimmt die Fruchtsaft- und Erfrischungsgetränkeverordnung (FrSaftErfrischGetrV) verbindliche Höchstwerte für Koffein (320 mg/l), Taurin (4.000 mg/l), Inosit (200 mg/l) und Glucuronolacton (2.400 mg/l).

Hersteller ergänzen, dass Kinder und Jugendliche keine angestrebte Zielgruppe für Energydrinks seien. Deshalb richte sich die Markenkommunikation ganz gezielt und ausschließlich an den mündigen Verbraucher. Folgerichtig haben sich die Mitgliedsunternehmen der Union of European Soft Drinks Associations (UNESDA) auf freiwilliger Basis in einem „Code for the Labelling and Marketing of Energydrinks“ zu einem verantwortungsbewussten Produktmarketing verpflichtet. Und: Auf dem Energydrink-Markt werden ohnehin immer mehr Produkte ohne Zucker angeboten.

Eines Tages könnte der Zug jedoch auch in Deutschland anders fahren. Das zeigen zwei osteuropäische Länder: In Lettland unterliegen Energydrinks seit Mitte 2016 einem Verkaufsverbot an Minderjährige. Im benachbarten Litauen ist das ebenfalls schon seit geraumer Zeit Realität.

Der Verein Foodwatch e.V. wäre bestimmt gerne Lokführer. Hier zu Lande organisiert er den Protest gegen Energydrinks und für die Einführung einer Zuckersteuer maßgeblich. Gründer und Geschäftsführer von Foodwatch ist Thilo Bode. Der hatte bereits als Greenpeace-Geschäftsführer demonstriert, wie man Kampagnen anzetteln und Stimmung machen kann. So forderte er zum Beispiel einen Energydrink-Produzenten gezielt auf, alle Gesundheitsversprechen von den Dosen seiner Drinks zu verbannen.

Zurzeit sucht der Verein im Internet Unterschriftensammler, damit seine Kampagne gegen Energydrinks zusätzlichen Schwung erhält.

Die Forderung nach einer Altersgrenze lehnt das Gesundheitsministerium bislang jedoch ab. Stattdessen kündigte Bundesminister Christian Schmidt eine steuerfinanzierte, rund 100.000 Euro teure Aufklärungskampagne an, durch die der Konsum von Energy-Drinks bei Jugendlichen reduziert werden soll. Verbrauchsregulierende Maßnahmen dagegen lehnt er ab.